Watt d’Or für Forschungs-Lego

Innovationsbeschleuniger NEST wird prämiert

Das für den Forschungsdemonstrator NEST engagierte Team während der Preisverleihung für den Watt-d’Or-Spezialpreis «Transition». Peter Richner (3. Person v.r.), stellvertretender Direktor der EMPA und Leiter Forschungsschwerpunkt Energie ist zugleich oberster NEST-Verantwortlicher.
Eine besonders attraktive NEST-Unit ist die mit zahlreichen Partnern aus Forschung und Wirtschaft realisierte Fitness- und Wellness-Anlage.
Quelle: Bundesamt für Energie (BFE) /

Als Kinder sind wir mit ungezügelter Neugier unterwegs, haben tausend Ideen, die wir kreativ mit Legosteinen oder anderen Bauteilen verwirklichen. Wir testen unsere Konstruktion im Spiel, brechen dann alles wieder ab, um es dann noch ausgefeilter neu aufzubauen. Heute nennt man diesen Prozess «agile Innovation». Genau dies ist die Grundidee des Forschungsdemonstrators NEST (Next Evolution in Sustainable Building Technologies) der Empa und der Eawag in Dübendorf im Kanton Zürich.

Doch die Risikobereitschaft von Investoren und Bauherren ist gering, bestehende Lösungen werden bevorzugt. NEST, das 2016 in Betrieb ging, will die Innovationsprozesse auch im Gebäudebereich beschleunigen. Beteiligt sind rund 140 Partner aus Forschung, Wirtschaft und öffentlicher Hand. Zusammen können sie auf den Betonplattformen des modularen NEST-Gebäudes thematische «Units» einbauen, in denen neue Technologien, Materialien und Systeme unter realen Bedingungen getestet und weiterentwickelt werden und so im Idealfall schneller auf den Markt kommen.

Energiebedarf für Wellness – um Faktor 6 geringer
Eine besonders attraktive NEST-Unit ist die mit zahlreichen Partnern aus Forschung und Wirtschaft realisierte Fitness- und Wellness-Anlage. Im Sommer 2017 in Betrieb gegangen, demonstriert sie, dass das beliebte und zu-gleich gesunde Freizeitvergnügen auch mit viel weniger Energie möglich ist. Ziel ist, den Energiebedarf gegenüber einer konventionellen Fitness- und Wellness-Anlage um den Faktor 6 zu senken und den verbleibenden Strombedarf mit den drei Photovoltaikanlagen an der Fassade sowie auf dem Dach zu decken. Dies gelingt dank dem Einsatz einer Hochtemperatur-CO2-Wärmepumpe, die Temperaturen von über 100°C erzeugen kann. Diese Wärme wird dann nacheinander mehrmals genutzt, von der finnischen Sauna, dem Dampfbad, der Biosauna, den Warmwasserduschen und schliesslich von der Raumheizung.

Während fünf bis sieben Jahren
NEST befindet sich, wie die Energiewelt, in ständigem Wandel. Die Units bestehen während fünf bis sieben Jahren und machen dann wieder Platz für neue Ideen. Derzeit sind fünf Units in Betrieb: Vision Wood (Holz im Bauwesen), Meet2Create (Arbeitswelten), Solare Fitness & Wellness, Urban Mining & Recycling und SolAce (Fassadentechnologien). 2019 kommen zwei weitere Units (digitale Fabrikation und Leichtbau) dazu.