Im Interview: Bernhard Kiechl, Bereichsleiter Niederspannung und Gebäudeautomation, Schneider Electric Schweiz

Energiemanagement: damit Energie am richtigen Ort landet

Bernhard Kiechl, Bereichsleiter Niederspannung und Gebäudeautomation, arbeitet ab Februar 2019 bei Schneider Electric in Kanada.
EcoStruxure: die offene, skalierbare und interoperable Systemarchitektur von Schneider Electric für die vier Endmärkte Industrie, Rechenzentren, Gebäude und Netze.
Interview: Franz Lenz /

Die Universität Lausanne will die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft bis 2040 erreichen und setzt dabei auf die Lösungsarchitektur EcoStruxure, auf der das Energiemanagement von Schneider Electric basiert (HK-Gebäudetechnik 8/18, Seiten 68 – 71). Wir befragten Bernhard Kiechl, Bereichsleiter Niederspannung und Gebäudeautomation, über das System Energiemanagement, dessen Einsatzmöglichkeiten und den Nutzen.

Energiemanagement, vor allem bei grösseren Gebäuden oder Arealen, ist plötzlich im Trend. Die Technik und das Wissen sind aber schon seit einiger Zeit vorhanden. Wie begründen Sie das plötzliche Interesse an einem umfassenden Energiemanagement?
Bernhard Kiechl: Ich denke, es sind verschiedene Gründe. Die Technik ist wirklich schon lange vorhanden. Was fehlte, waren das Vertrauen der möglichen Nutzer in diese Technik, der noch ungewohnte Umgang damit und natürlich die Akzeptanz und das Wissen über die digitalen Möglichkeiten.

Wie war das bei der Universität Lausanne?
Bei der Universität Lausanne entstand das Interesse, alle relevanten Verbrauchsdaten mittels einer cloudbasierten Energiemanagement-Plattform zu erfassen, als man sich über Energieverteilung und -verbrauch im Zusammenhang mit der Zielsetzung der 2000- Watt-Gesellschaft bis 2040 Gedanken machte. Nach einer Gebäudesanierung wurde bemerkt, dass der Energieverbrauch viel grösser war als ursprünglich berechnet. Schneider Electric erstellte ein intelligentes Energie-Monitoring mit der Lösungsarchitektur EcoStruxure und lieferte damit eine in Echtzeit verfügbare breite Datenbasis, die energierelevante Entscheidungen für das ganze Areal ermöglicht. Über die Daten in der Cloud können alle Gewerke verwaltet und die Leistungen, wann und wo sie gebraucht werden, abgerufen werden. Energetische Leerläufe werden vermieden. 

Der Betreiber gibt aber viel Wissen aus der Hand!
Grundsätzlich entscheidet der Kunde selbst, welche Daten und in welcher Form diese zu Analysezwecken erhoben werden. Diese dann in der Cloud gesammelte Datenvielfalt könnte ein Betreiber gar nicht selbst bearbeiten, deshalb überträgt der Anwender die Auswertung der Daten an Schneider Electric. Wir erstellen daraufhin mittels spezieller Algorithmen eine Echtzeit-Analyse und ermöglichen damit ein gezieltes Energiemanagement. Gerade bei verschiedenen Nutzungen innerhalb eines Gebäudes wie durch Büros, Schulungsräume, Wohnungen, Tages- und Nachtnutzungen kann die Energie effizient und ohne Streuverlust verteilt werden, das heisst zur rechten Zeit am rechten Ort.

Das Ziel ist es also, den Energieverbrauch zu reduzieren?
Ein Energiemanagement spart nicht per se Energie ein. Das Ziel ist, den Energieverbrauch besser zu planen und zu steuern. Die dabei meistens eingesparte Energie ist der Zusatznutzen. Unsere Lösungsarchitektur EcoStruxure arbeitet dabei auf drei Ebenen. Auf der untersten arbeiten die Connected Products, um relevante Daten zu erfassen. Auf der mittleren – der Edge-Control – Ebene geht es um die effiziente Steuerung und Kontrolle der Anlagen und Ereignisse vor Ort. Darüber befindet sich die oberste Ebene der Apps, Analytics und Services. Sie legen die Basis für intelligente Geschäftsentscheide. Das heisst, dass wir messen, analysieren und so Transparenz schaffen. Die Algorithmen melden und orten jede Abweichung beim Energiefluss und ermöglichen so eine schnelle Korrektur. Handeln muss allerdings weiterhin der Mensch. Ein Beispiel: Die Algorithmen stellen fest, dass in einem Jahr für einen bestimmten Raum mehr Strom für die Wärme verbraucht wurde als vorgesehen, das System analysiert zudem, wo und woran der Fehler liegt. Das kann auch Reparaturkosten und Ausfallstunden sparen.

Eignet sich das Energiemanagement auch für Mehrfamilienhäuser oder Reihenhaus-Siedlungen?
Seit einiger Zeit rechnen die Immobilienbesitzer mit den Lebenszykluskosten eines Gebäudes. Dabei kommt dem Energiemanagement grosse Bedeutung zu. Zudem ist es dank der neuen gesetzlich erlaubten Stromgemeinschaften auch ein Thema für kleinere Objekte geworden. Eine genaue Verbrauchsanalyse kann bei den Bewohnern eines Miethauses auch zu einem Umdenken und einem effizienteren Umgang mit Energie führen.
Immer wichtiger wird auch die Energieverteilung im Zusammenhang mit der vermehrten Elektromobilität. Mit dem Energiemanagement kann der Hausanschluss respektive die Stromverteilung optimal genutzt werden. Zeitweise überschüssige Energie, z. B. in der Mittagszeit, steht dann direkt für den Ladevorgang für Elektroautos zur Verfügung.

Werden bauliche Anforderungen an ein Energiemanagement gestellt?
Unsere Geräte nehmen keinen Einfluss auf die Gebäudesubstanz. Durch den Einsatz von netzwerk- und kommunikationsfähigen Geräten verändern sich jedoch unter Umständen die Anforderungen an einen Schaltschrank. Der müsste gegebenenfalls verändert werden. Auch die Integration von Lademöglichkeiten für E-Mobilität erfordert beispielsweise das Aufstellen einer Ladesäule am Gebäude. Gefordert sind da die Planer, welche bei der Gebäudeplanung auch den gesamten Energieverbrauch einer Immobilie planen. Sie sollten die effektiven Werte beim fertigen Bau auf Abweichungen kontrollieren. Das wäre eine saubere Inbetriebnahme eines Gebäudes und wird auch vom SIA nahegelegt. Mit unserem System können wir jederzeit nachweisen, ob der Investor bezüglich Energieeffizienz und -verbrauch auch bekommt, was er bezahlt hat. Auf Wunsch können wir die gewollte Energieeffizienz während des ganzen Lebenszyklus der Immobilie garantieren.

Facts zu Schneider Electric
Schneider Electric ist einer der Marktführer bei der digitalen Transformation von Energiemanagement und Automatisierung in Haushalten, Gebäuden, Rechenzentren, Infrastruktur und der Fertigungsindustrie. Mit Präsenz in über 100 Ländern gehört Schneider Electric zu den weltweiten Marktführern im Energiemanagement, in der Mittel- und Niederspannung sowie bei der sicheren Spannungsversorgung und der Automatisierungstechnik. Geboten werden integrierte, effiziente Lösungen, die Energieverteilung, Automatisierungstechnik und Software kombinieren.

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Ein Blick in die Zukunft?
Der politische Wille zu einem effizienteren Umgang mit Energie muss deutlicher werden und entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Dies können beispielsweise festgelegte Abschaltzeiten und erlaubte Verbrauchsmöglichkeiten sein. Dabei wird unser System immer erwünschter werden. Abschalten, einspeisen, speichern, verteilen, dabei die nötige Grundversorgung aufrechterhalten, werden immer komplexere Anforderungen sein.

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