Raiffeisenbank Ittigen

Wohltuend anders in Form und Farbe

An belebter Kreuzung in Ittigen ein schöner, gut integrierter Rundbau mit grossflächigen Alu-Platten bekleidet.
Der Bau ist auch auf der Rückseite attraktiv und integriert.
Bernard Trächsel /

Die neue Raiffeisenbank bereichert durch ihre Präsenz den Dorfkern von Ittigen. Farb- und Materialgestaltung sind speziell, die handwerkliche Ausführung durch die einheimische Firma ist wohltuend gelungen.

Raum Stadt-Land: Das neue Gebäude setzt die städtebauliche Struktur der Häuserzeile fort. Der strassenseitig auskragende Rundbau artikuliert den Ort an der Bahnhofskreuzung. Durch ein zurückversetztes Obergeschoss entsteht ein angemessener, lärmberuhigter seitlicher Zwischenraum.

Objektbeschrieb und Kommentar
Jury Die Qualität des Baus unterstützt die Idee einer offenen Bank und den angestrebten Mix als Wohn- und Dienstleistungsbau. Der Bankbetrieb nutzt die Erdgeschossfläche. Der Grundriss bietet dank nicht tragender Wände eine grosse Raumflexibilität. Die hell beleuchtete Decke verbindet die Raumzonen. Mit präzis gewählten Materialien wird die nötige Atmosphäre zwischen geborgen, ruhig und professionell vermittelt. Das Gebäude ist nach Minergie-P zertifiziert.

Die Bürgi Schärer Architekten AG gewann 2008 den Projektwettbewerb. Zwischen Planer und Handwerker, der Firma Peter Künzi AG, bestand bereits während des Wettbewerbs eine gegenseitig bereichernde Zusammenarbeit. Die sehr anspruchsvolle Form des Gebäudes besteht aus zwei geraden Ostfassaden und einer teils geraden und in eine Rundung übergehende Nordfassade. West- und Südfassade gehen in einer elliptischen Rundung nahtlos ineinander über. Die Leibungen der Ostfassade sind symmetrisch um 15 Grad geöffnet, jene der Nord- und Westfassade sind asymmetrisch links um 15 und rechts um 45 Grad geöffnet.

Prachtvolle Fassade
Die Aussenhaut der Fassade besteht aus dunkel anodisiertem Aluminiumblech in einer Materialstärke von 2,5 mm. Die unregelmässige, grossformatige Platteneinteilung respektive das Fugenbild wurden durch den Architekten vorgegeben. Die Oberfläche der Fassade sollte möglichst flächig wirken, Rückkantungen waren unerwünscht.
Die Fensterzargen sind ebenfalls in Aluminium mit einer Dicke von 4,0 mm gefertigt. Sie sind in einem Bronzeton anodisiert. Fensterbank, Leibung und Sturz stehen schwertförmig und mit sichtbaren Schnittkanten aus der Fassade vor.Die Storenschienen sind in den schräg verlaufenden Leibungsbekleidungen eingelassen.
Die Befestigung sollte dezent sichtbar sein. Gewählt wurde eine rostfreie, schwarz brünierte Blindniete mit relativ kleinem Kopf. Die Dachrandabdeckung durfte nicht sichtbar sein, die Bekleidung sollte oben randlos enden.

Planung
Bei der Planung der Fassade waren aufgrund der Gebäudeform sowie der ästhetischen und energetischen Vorgaben mehrere Knackpunkte zu lösen. Im Grundriss besteht die Aussenhaut der Fassade aus mehreren geraden und elliptisch konvex und konkav gekrümmten Teilstücken. Die tragenden und nicht tragenden Aussenwände aus Betonscheiben und Mauerwerk machten die Aufgabe nicht einfacher. Geeignet für die Künzis, die nebst der handwerklichen auch die digitale Arbeitsweise perfekt meistern.

Die energetischen Vorgaben führten zu hohen Dämmstärken und zur Wahl einer Unterkonstruktion ohne Wärmebrücken mittels GFK-Konsolen. Für die Befestigung der gekrümmten Aussenhaut wurden verformbare horizontale T-Profile aus Aluminium verwendet. Die durch die Planung vorgegebene Umrisskurve wurde mittels Tachymeter am Bau kontrolliert, mittels Umrechnung und CAD optimiert und in eine Vielzahl von Teilradien und Teilstücke aufgeteilt. Schliesslich wurden die Fensterpositionen in Höhe, Breite und Tiefe definiert. Die Herausforderung bestand darin, dass jedes Fenster im Bereich des Fensterlichtes immer die gleiche Tiefe zur Aussenkurve aufweist, die Ausschnittbreite der Zargen und die Leibungsbreiten je nach Radius der Umrisskurve aber variieren. Jede Zarge ist ein Unikat.

Durch die Befestigung der Fassadenplatten mit relativ kleinen Nieten bzw. Nietenköpfen konnte die thermische Ausdehnung nicht in den Nietenlöchern aufgenommen werden. Darum wurde die ganze Fassade in ungleichförmige, verschieden grosse Dehnungszonen mit rundum laufenden Dehnungsfugen aufgeteilt, in welchen die horizontale und vertikale thermische Längenausdehnung von Fassadenhaut und Unterkonstruktion zwängungsfrei aufgenommen werden kann. Nach Prüfung und Freigabe durch den Architekten und den projektbegleitenden Fassadenplaner konnten die Fabrikationslisten und -zeichnungen für alle Fassaden- und Zargenteile sowie der UK erstellt und weitergeleitet werden.

Bauprogramm, Arbeitsleistung «just in time»
Das Bauprogramm des Architekten war sportlich, aber einigermassen realistisch. Wegen der Termine, der sehr grossen Blechformate und des Verlangens, die Anodisation der Oberfläche aus einer Blech-Charge anzufertigen, wurde die Fabrikation der Platten der MAB, Max Amsler AG, Bellach, anvertraut. Die fertig anodisierten Teile wurden auf dem Dach deponiert und durch drei Arbeitsteams «just in time» verlegt.

Für die Jury bietet dieses Objekt eine tolle Gebäudehülle-Performance. Ein lebendiger und beschwingter Monolith mit attraktivem Fenstereinbau, harmonischen Farbkombinationen, perfektem Hineinziehen der Hülle als Untersicht, geistreicher Integration ins Ortsbild und in die Gartenlandschaft. Die Fassade ist perfekt geplant und ausgeführt und wie eingangs gesagt, eine Bereicherung des Ortskerns von Ittigen. Die Firma Peter Künzi AG, Titelträgerin der Goldenen Spenglerarbeit 2005 mit dem Bergrestaurant Niesen, erweist unserem Beruf und der Gebäudehülle weiterhin die Ehre.