Interview

Wir sind kreative Umsetzer

Ein Beispiel: Haus Solaris, Zürich, huggenbergerfries Architekten ETH SIA BSA, Zürich, Photovoltaikhülle: Scherrer Metec AG, Zürich. (Bild: zuegerpix.ch)
Beat Conrad: «Man hat uns einmal als kreative Umsetzer betitelt.» (Bild: Scherrer Metec)
Franz Lenz /

Kirchturmspitzen, Dächer und Fassaden aus verschiedenen Metallen sind die bekannten Markenzeichen von Scherrer Metec AG. Ab 2015 entwickelte sich das Unternehmen zusätzlich zum Gesamtanbieter und Generalunternehmer von komplexen Gebäudehüllen. Holzbau und integrierte Photovoltaik wurden angegliedert. Seither gelten die «Solarteure» des Unternehmens als anerkannte Fachleute für solare Architektur.

Herr Conrad, in einem Themenheft von Hochparterre wurde Scherrer Metec AG das Prädikat «Haute Couture aus Blech» erteilt. Das ist nicht verwunderlich, wenn man alle die realisierten Dächer, Fassaden und nicht zuletzt die kunstvoll restaurierten Kirchtürme aus verschiedenen Metallen landesweit betrachtet. 2015 taucht dann der Begriff Photovoltaik im Hause Scherrer Metec auf. Ein Schritt «vom Kirchturm zum Energiehaus» ist man versucht zu sagen, oder «der Sonne entgegen»? 

Beat Conrad: Natürlich sind wir von Grund auf eine Bauspenglerei, welche 1896 gegründet wurde mit einer angegliederten Metallbauschlosserei. Vor sieben Jahren kam die Dachdeckerei dazu mit Flach- und Steildach. Vor zwei Jahren wurde der Betrieb durch Holzbau/Zimmerei erweitert. Seither verstehen wir uns als Anbieter von gesamtheitlichen Lösungen für Gebäudehülle, also Fassaden und Dächer. Die Integration von Photovoltaik, die Nutzung der Sonne zur Stromgewinnung also, ist nur eine weitere Art, eine Gebäudehülle zu bauen.

Das sagt sich so einfach …
Wie erwähnt, ist Metall unser Ursprung und wir arbeiten auch heute noch leidenschaftlich gerne mit Metall. Es bietet fast unbegrenzte Möglichkeiten, gerade für architektonisches Gestalten. Bei den Fassaden setzen wir fast jede noch so ausgefallene Idee um. Fassaden bieten Schutz, können aber auch Energie produzieren. Bei unseren Photovoltaik-Lösungen spielen Konstruktion, Ästhetik, technischer Fortschritt und Energieeffizienz perfekt zusammen. Wir bauen alle Teile wie Holzkonstruktionen, Wärmedämmungen, Abdichtungen und elektrische Komponenten bei uns zusammen und bringen sie als komplette Photovoltaikhülle auf den Bau.

Trotzdem: Spengler, Dachdecker, Holzbauer und Zimmerleute gelten doch nicht gerade als Photovoltaik-Spezialisten. Realisierte Gebäude wie in Zürich Wollishofen oder Unterengstringen, um zwei Beispiele zu nennen, zeigen aber klar die Perfektion von Fachleuten. Auch wenn von «Solarteuren» gesprochen wird, allein kann doch Scherrer Metec AG solche energietechnischen Lösungen nicht realisieren?
Nein, das nicht, wir arbeiten mit verschiedenen externen Partnern zusammen. Zum Beispiel für die Elektrotechnik, wir kooperieren auch mit Planern, Systemanbietern und Solar-Fachleuten. Unsere Erfahrung zeigt, dass ein funktionierendes Netzwerk von Fachleuten das A und O für ein gelungenes Ergebnis ist.

Als Beispiel: Es gibt ein Objekt, Neubau oder Renovation, bei dem Photovoltaik vom Eigentümer gewünscht wird. An welches Unternehmen wendet sich der Auftraggeber zuerst und wie ist dann der weitere Verlauf?
Üblicherweise an den Architekten, die Endkunden kontaktieren uns selten direkt. Das Gesamtbild eines Gebäudes ist Sache des Architekten.

Der Architekt kontaktiert Scherrer Metec?
Der Architekt sucht auf dem Markt ein qualifiziertes Unternehmen, und manchmal landet er bei uns. Zusammen mit dem Architekten und unseren Partnern besprechen wir die Umsetzbarkeit, vielfach auch Varianten, und erstellen erste Kostenschätzungen. Die Komplexität von Solararchitektur ist wesentlich höher als bei herkömmlichen Fassadenund Dachsystemen. Deshalb sind die Koordination und der Austausch unter den Netzwerkpartnern entscheidend.

Koordination heisst?
Wir begleiten den ganzen Aufbau einer Photovoltaikfassade von den Grundmauern bis zum Dach, also die gesamte Gebäudehülle. Als in diesem Bereich spezialisiertes Unternehmen kümmern wir uns um Detailplanung, Fertigung, Technik, Logistik und Montage der fertigen Gebäudehülle. Darum sind wir keine Photovoltaiker, sondern Fachleute für Gebäudehüllen und Partner des Architekten. Man hat uns einmal als kreative Umsetzer betitelt. Wir brauchen die Idee des Architekten, und er wiederum braucht uns als die kreativen Umsetzer.

Die Erweiterung um den Bereich Photovoltaik war ein mutiger Schritt.
Wir führten ja den Bau ganzer Fassaden bereits erfolgreich, indem wir sämtliche Schnittstellen im Hause vereinten. Und wir wussten, dass nicht nur die ästhetischen, sondern auch die funktionalen Anforderungen an die Gebäudehülle in Zukunft zunehmen werden. Beispiel Energiegewinnung. Vollintegrierte Systeme mit Photovoltaik- Modulen als Fassadenelemente sind heute Trend und eigentlich kleine Kraftwerke. Sie werden in wenigen Jahren ein ganz normales Baumaterial für Fassaden sein.

Es war trotzdem ein mutiger Schritt!
Wir verstanden es schon immer, Handwerkskunst mit Hightech zu kombinieren. Die Photovoltaikhüllen sind nur die konsequente Weiterentwicklung der Fassadentechnik, auch wenn Anlaufund Testzeiten nicht zu vermeiden waren. Aber wir haben eine klare Vorstellung und eine Strategie und sind davon überzeugt.