NEST-Unit «Solare Fitness & Wellness» Ende August eröffnet

Wellness mit erneuerbarer Energie

In dem durchgängig offenen Raum schweben drei Ellipsoiden von der Decke; sie beherbergen zwei sorgfältig gestaltete Saunas und ein Dampfbad.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Wärmepumpen arbeitet das verwendete Gerät mit Kohlendioxid (CO2) als natürlichem Kältemittel. Peter Richner (stv. Direktor EMPA) und Gian-Luca Bona (Direktor EMPA) visualisieren die Funktionsweise anhand eines einfachen Beispiels.
Die Wellness- und Fitnessanlage wird aus rundum erneuerbaren Energien betrieben.
Neugierige Besucher probieren am Eröffnungstag die zahlreichen Fitness-Geräte aus.
Auch die Fitness-Benutzer der Unit werden zur Energiegewinnung beisteuern und zwar mit Ausdauer-Fitnessgeräten.
EMPA, Bearbeitung Manuel Fischer /

Wellness und Fitness ist ein Megatrend. Bislang verschlingen Saunen, Dampfbäder und auch Fitnessgeräte grosse Energiemengen. Im NEST, dem Innovationsgebäude von Empa und Eawag, ging Ende August 2017 eine Pionieranlage in Betrieb, die einen Sechstel des elektrischen Stroms benötigt, der üblicherweise konventionelle Fitness- und Wellnesscenter verbrauchen.

Freude und Genugtuung war den Initianten und Förderern der jüngsten Einheit des Experimentalgebäudes NEST ins Gesicht geschrieben; ein weiterer Meilenstein für die Energiezukunft ist geschafft. Die am 24. August 2017 eröffnete Unit «Solare Fitness & Wellness», die nun auf dem Empa-Gelände in Dübendorf zu besichtigen ist, gewinnt Energie rundum aus regenerativen Quellen. Mark Zimmermann, der Projektleiter und NEST-Innovationsmanager, umschrieb die neue Forschungseinheit als radikale Innovation: «Was Sie hier zu sehen bekommen, gibt es noch nirgends auf der Welt.»
Die experimentelle Wellnessoase thront nun auf dem obersten Geschoss des ungewöhnlichen Gebäudes. Zwei rund acht Meter hohe Glasfassaden sind der Blickfang von aussen. Der architektonische Entwurf des Architekten Peter Dransfeld ist aber auch im Innern spektakulär: In dem durchgängig offenen Raum schweben drei Ellipsoiden von der Decke; sie beherbergen zwei Saunas und ein Dampfbad. Unter den Wellness-Modulen laden Fitness-Geräte zum Trainieren ein. Schon bald werden diese von den Mitarbeitenden der beiden Forschungsinstitute Empa und Eawag genutzt.

Ambitiöse Ziele
Die Forschungsabsicht des Unit-Konzepts «Solare Fitness & Wellness» ist quasi sonnenklar: Die Energieeffizienz von Wellness-Anlagen soll massiv erhöht werden. Denn eine mittelgrosse Wellness-Anlage verschlingt mit 120 MWh elektrischen Strom im Jahr gut und gerne so viel wie zehn Einfamilienhäuser. Peter Richner, stellvertretender Direktor der Empa und strategischer Verantwortlicher NEST präzisierte: «Unser Ziel ist es, ein energieintensives Bedürfnis wie Wellness komplett mit erneuerbarer Energie abdecken zu können.» Dabei sind die konkreten Ambitionen hoch gesteckt: Die Anlage soll nur mit einem Sechstel der Energie betrieben werden, wie beim Einbau herkömmlicher technischer Lösungen üblicherweise aufgewendet werden muss. Die 120‘000 kWh Strom, die die finnische Sauna, die Bio-Sauna und das Dampfbad normalerweise jährlich verschlingen würden, sollen auf rund 20‘000 kWh sinken.

Im Kern eine CO2-Wärmepumpe
Die Basis für diese massive Reduktion legt eine Hochtemperatur-CO2-Wärmepumpe der Firma Scheco, die Temperaturen von bis zu 130°C erzeugen kann. Für einen effizienten Betrieb muss die erzeugte Wärme über einen möglichst grossen Temperaturbereich genutzt werden. Dazu ist der jeweilige Bedarf der unterschiedlichen Wellness-Module als Kaskade aufeinander abgestimmt. Die Wärme wird in einem grossen Tank in Temperatur-Schichten gespeichert und für die einzelnen Nutzungen bereitgestellt: 120°C für die finnische Sauna, 90°C für den Dampferzeuger im Dampfbad, 70°C für die Biosauna und schliesslich 50°C bzw. 30°C für die Duschen und die Heizung.
Durch die Wärmeerzeugung mit der CO2-Wärmepumpe wird der Stromverbrauch bereits um rund zwei Drittel reduziert. Mit zusätzlicher Wärme- und Feuchterückgewinnung aus Sauna und Dampfbad lassen sich zudem die Lüftungsverluste mindestens halbieren.
Gemäss Peter Richner ist die neueste Unit ein weiterer Tatbeweis, was disziplinenübergreifende Kooperation zu leisten vermöge.