Editorial 09/17

Wärme- und Strom-Versorgung im Winter

peter.warthmann@azmedien.ch
Peter Warthmann, Chefredaktor /

Das Ziel, in mittelferner Zukunft nur noch erneuerbare Energien zu verbrauchen, ist eine grosse Herausforderung. Der harte Prüfstein ist die Wärme- und Strom-Versorgung im Winter. In dieser Ausgabe von HK-Gebäudetechnik sind gleich zwei Rückblick-Berichte zu Veranstaltungen der WKK-Branche: In Oberburg traf man sich zur Jubiläums-Fachtagung des 25-jährigen WKK-Fachverbands (Seite 30) und in Zürich veranstaltete der Verband Effiziente Energie Erzeugung V3E sein alljährliches WKK-Forum (Seite 43).

Die Wärme-Kraft-Kopplung (WKK) kann künftig einen wertvollen Beitrag leisten zur Wärme- und Stromversorgung im Winter. Mit Verbrennungsmotoren und angekoppelten Generatoren werden gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt und mit hohem Gesamtwirkungsgrad genutzt. WKK-Fachleute können aufzeigen: die Wärme- und Strom-Versorgung im Winter kann auch ohne unsere Kernkraftwerke sichergestellt werden mit der Effizienz- Technologie WKK.

Wegen des Imageproblems «fossile Produktion» der WKK verweist man auf die hoffentlich bald im grossen Massstab mögliche Umwandlung von erneuerbarem Überschuss-Strom in Gas oder flüssige Energieträger (Power to Gas, Power to Liquid). Wir müssen gespannt abwarten, wie schnell der Anteil an bewährtem Biogas und diesen neuen Energieträgern aus Überschuss-Strom wirklich gesteigert werden kann.

An trüben Wintertagen wollen wir auch Strom nach Bedarf erzeugen können, zusätzlich zum grad maximal möglichen Angebot aus erneuerbaren Energien. Dies erfolgt meist mit lagerfähigen oder leitungsgebundenen Energieträgern. Es ist vertretbar, dafür in einer Übergangszeit noch fossile Energieträger zu verwenden. Dabei soll aber die Abwärme konsequent genutzt werden. Die bewährte und heute verfügbare «Effizienz-Technologie WKK» mit ihrem hohen Gesamtwirkungsgrad ermöglicht so eine willkommene Reduktion des CO2-Ausstosses in der Bilanz für die Strom- und Wärmeerzeugung.

Nicht vergessen wollen wir an dieser Stelle die vielen heute schon in Betrieb stehenden WKK-Anlagen auch im mittleren und grossen Leistungsbereich, z. B. in Kehrichtverbrennungsanlagen oder in anderen Heizzentralen für Fernwärmeverbünde. Die Diskussionen werden wohl bald schon intensiver, sowohl in der Politik als auch in der Fachwelt: Sollen mit der absehbaren Reduktion der Kernkraft- Kapazitäten vermehrt dezentrale WKK-Anlagen gefördert werden oder braucht es auch GuDGrosskraftwerke (Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke)? Vorteil der Effizienz-Technologie WKK: die Strom- und Wärme-Produktionsleistung kann durch Zubau von dezentralen WKK-Anlagen kontinuierlich erhöht werden. Die laufende Entwicklung des Bedarfs und der möglichen Erzeugung von Wärme und Strom kann immer aktuell berücksichtigt werden für die weiteren notwendigen Investitions- Entscheide. Schlussendlich hoffe ich auf eine technisch optimale Lösung, allenfalls auf eine sinnvoll kombinierte Gesamtlösung.