Energietag 2018 im Oktober wurde in der Stadt Zürich durchgeführt

Viele kleine Schritte führen zur Smart City

Andreas Hauri, Stadtrat von Zürich, erinnerte in seinen Begrüssungsworten an das eindeutige Votum in einer Volksabstimmung für die 2000-Watt-Gesellschaft vor nun zehn Jahren. (Bilder: Bundesamt für Energie/Thomas Hodel)
Am vom Bundesamt für Energie (BFE) organisierten Energietag kommen jeweils einige hundert kommunale Energiefachleute zusammen.
Am vom Bundesamt für Energie (BFE) organisierten Energietag kommen jeweils einige hundert kommunale Energiefachleute zusammen.
Die Gemeindevertreter holten auch dieses Jahr die Zertifikate «Energiestadt» und «2000-W-Areale» als ihre Leistungsausweise ab.
Die Gemeindevertreter holten auch dieses Jahr die Zertifikate «Energiestadt» und «2000-W-Areale» als ihre Leistungsausweise ab.
Die Gemeindevertreter holten auch dieses Jahr die Zertifikate «Energiestadt» und «2000-W-Areale» als ihre Leistungsausweise ab.
Die Gemeindevertreter holten auch dieses Jahr die Zertifikate «Energiestadt» und «2000-W-Areale» als ihre Leistungsausweise ab.
Manuel Fischer /

Der vom Bundesamt für Energie (BFE) organisierte traditionelle Energietag ist ein Muss-Termin in den Agenden kommunaler Energiefachleute. Dieses Jahr fand er in der Stadt Zürich statt. Man nahm die Gelegenheit wahr, an Exkursionen zu 2000-Watt-Arealen und Pilotprojekten teilzunehmen. Im anschliessenden Plenum diskutierten Fachleute zu den Zielen der «Smart City».

Der Austragungsort war bewusst gewählt: Dieses Jahr fand der «Energietag» in der Stadt Zürich statt. Denn vor genau einem Jahrzehnt entschied die Stadtzürcher Stimmbevölkerung mit hohem Mehr, den Weg der 2000-Watt-Gesellschaft zu beschreiten.
Die Tagung verknüpft jeweils interessante Referate mit der anschliessenden Vergabe des Labels «Energiestadt» als Leistungsausweis für Gemeinden, die eine nachhaltige kommunale Energiepolitik vorleben und umsetzen. Energiestädte fördern erneuerbare Energien, umweltverträgliche Mobilität und setzen auf eine effiziente Nutzung der Ressourcen.

Langfristig zukunftsfähig
An der Plenumsveranstaltung im Zürcher Volkshaus richtete Andreas Hauri, Stadtrat von Zürich, seine Begrüssungsworte an die zahlreichen Gäste. Das eindeutige Votum in einer Volksabstimmung für die 2000-Watt-Gesellschaft vor einem Jahrzehnt sei nach wie vor Verpflichtung, hoch gesteckte Ziele anzustreben: Unter dem Titel «2000-Watt-Gesellschaft» wird nicht weniger als die Transformation des bisherigen Energie- und Verkehrssystems angestrebt, um langfristig zukunftsfähige Städte zu gestalten. 

Software und Lebensstil
Es braucht dazu viele Massnahmen auf den unterschiedlichsten Politikfeldern. Neubauten der öffentlichen Hand sowie zukunftsweisende Areale und Kleinquartiere entstehen, die nach den anspruchsvollsten Energiestandards für Gebäude realisiert werden. Doch damit nicht genug: Erst kürzlich hat die Stimmbevölkerung der Stadt Zürich einem Kredit zum Ausbau des Fernwärmenetzes zugestimmt, wohl nur eine erste Etappe zum massiven Ausbau dieses Energieversorgungssystems. Hauri kündigte zudem ehrgeizige Recycling- und Upcycling-Projekte an. Ausserdem will die Stadt Zürich offenbar demnächst eine Sharing-Economy-Strategie veröffentlichen.
Stadtrat Hauri erwähnte überdies auf den international durchgeführten «Climathon»: An der 24-stündigen Veranstaltung setzen sich Dutzende junge und kreative Softwareentwickler zusammen, um nützliche und unterhaltsame Programme bzw. Apps zu entwickeln, die dem Klimaschutz dienen.
Der moderne urbane Lebensstil – viele der Stadtzürcher verzichten bewusst auf den Besitz eines Privatautos – trägt bereits heute schon Früchte: Der Primärenergiebedarf pro städtischem Einwohner beträgt inzwischen 4000 Watt (im Vergleich zu 5000 Watt im nationalen Durchschnitt).

Wissen und Handeln
Anschliessend leitete Tobias Müller, Moderator der TV-Sendung «Einstein» von SRF, eine Gesprächsrunde zum Thema «2000-Watt-Gesellschaft und Smart City». Am Podium nahmen Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik teil. Gemäss Peter Jans, Stadtrat und Vorsteher des Departements Technische Betriebe der Stadt St. Gallen sei die 2000-Watt-Strategie bereits in den Köpfen der urbanen Bevölkerung verankert. Anspruchsvoll sei das Überspringen der beträchtlichen Kluft zwischen Wissen und entsprechendem Handeln. Yvonne Beutler, Stadträtin von Winterthur für Finanzen, Immobilien und Informatik, pflichtete bei: «Die konkrete Umsetzung ist schwierig. Vielfach herrscht etwas Mutlosigkeit in den Exekutiven. Das Parlament knüpft Kreditbewilligungen an sofort sichtbare Erfolge. Zudem wollen Politiker nicht wegen eines Misserfolgs abgewählt werden. In der Energie- und Verkehrspolitik müssen wir mehr wagen – ohne Erfolgsgarantie.»

Experimentelle Politik
Dominik Mösching, Politikwissenschaftler und stv. Geschäftsleiter des «Staatslabors», einem Unternehmen, das versucht, innovative Prozesse im öffentlichen Sektor voranzubringen, plädierte ebenfalls für mehr Experimente. Es brauche die Bereitschaft, ein kalkulierbares Risiko einzugehen und nach jedem Schritt die Ergebnisse zu prüfen. Die technologische Sicht auf «Smart Cities» greife zu kurz. Es brauche einen Kulturwandel in der öffentlichen Verwaltung und auch bei den Bürgern selbst. Kooperatives, grenzüberschreitendes und unternehmerisches Handeln sowie Fehlertoleranz seien das Gebot der Stunde.