Am Zürichberg wird altes Baugut tüchtig renoviert und oft wird Konventionelles oder Traditionelles modern ergänzt.

Schöne Rautenoptik am Zürichberg

Der kleinen Parzelle angepasst wurde ein Anbau, mit Rauten bekleidet, realisiert.
Schöne Rautenoptik an Fassade, Dach und Aufbauten.
Schöne Rautenoptik an Fassade, Dach und Aufbauten.
Bernard Trächsel /

So mischen sich plötzlich althergebrachte Prachtvillen mit modernen Anbauten, mit dem Ziel, das Gebäude auch im Alter noch bewohnen zu können. Lift und Treppe spielen eine grosse Rolle. Nachfolgend die Beweggründe zur Entstehung und ein Einblick in die Realisation der Spengler- und Bekleidungsarbeiten.

Blick auf die Zeit- und Bau-Evolution am Zürichberg
Marius Leutenegger, Redaktor, in einer Sonntagszeitung vom Januar 2012:
«Am Zürichberg ist in den vergangenen 120 Jahren ein Bilderbuch-Villenquartier  entstanden. Herrschaftliche Gebäude aus der Gründerzeit stehen in Gärten voller  Bäume, die Aussicht auf Stadt und See ist  beeindruckend, die Seitenstrassen strahlen Diskretion aus. Keine Frage: Wer hier wohnt, ist privilegiert. Doch die Bauentwicklung Zürichs macht auch vor diesem Quartier nicht halt. Rund ums Dolder schreitet die Verdichtung voran. Viele Villen sind zwar inventarisiert und dürfen nicht abgerissen werden, aber immer wieder werden alte Häuser mit Umschwung durch mehrere Baukörper ersetzt. Oder in den Parks entstehen zusätzliche Gebäude.»

Neubau darf Charakter der Liegenschaft nicht zerstören
Der Architekt Felix Jacques Frey stand dieser Entwicklung skeptisch gegenüber. Er ist im Quartier aufgewachsen und ging daher besonders sorgfältig an die Aufgabe heran, im Garten einer Villa aus dem Jahr 1905 einen Anbau zu erstellen. Die Aufgabe wurde durch die besondere Form der Parzelle erschwert, zudem gelten im Quartier verschärfte Bauregeln. Am Ende blieb Frey eine Nutzungsfläche von lediglich 50 Quadratmetern und die war erst noch exakt dreieckig. Er hat demzufolge ein Gebäude entworfen, das wegen seiner besonderen Form zwar auffällt, sich aber ideal in das Umfeld einfügt. Anders als viele Neubauten hat das Haus ein Schrägdach und wie bei den alten Villen aus der Gründerzeit spielen auch Erker eine prägende Rolle.

Die Gebäudehülle
Der Anbau besteht aus einem Betonkern, der Rest ist in Holz vorgefertigt. Bei anspruchsvollen Bauten werden als Dach- und Fassadenlösung vermehrt Grossrauten eingesetzt, die den Baukörper wie ein geschupptes Kleid umhüllen. Die mit wählbarem Format an die Gebäudehülle verlegten Blechplatten «bekleiden» den Baukörper auf sehr flache und feinfühlige Art, ohne Falzvorsprung. Die feinen Dickendifferenzen bei den Falzeinhängungen verleihen der Fassade attraktive, sich je nach Sonnenlage verändernde Schattenwirkungen. So entsteht eine lebendige Fassade, die je nach Saison und Wetter völlig unterschiedlich wirkt. Die auf dem Titanzink entstehende Patina wirkt edel, ist selbstreinigend und somit unterhaltsfrei.

Von der Deckung bis zum Fassadenfuss durchgehend
Dach und Fassade sollten eine Einheit bilden und ineinander übergehen. Beim Dach wird grundsätzlich ein dichtes Unterdach eingebaut, die Rauten werden für Dach-Ansprüche fabriziert, und die Details werden entsprechend sorgfältig erstellt. Es sind kleine Details, die wichtig sind, damit das Dach seine Funktion auch bei stürmischem Wetter erfüllt.
Auf Wunsch der Bauenden nach klaren Gebäudekanten sind die Rinnen hinter der Traufkante des Daches unsichtbar eingelegt. Der First ist durchgehend und alle An- und Abschlüsse sind so filigran wie möglich umgesetzt. Die Platten wurden wild verlegt und die Rauten versetzt montiert. Damit wirkt die Fläche lebendig.
Die Kriterien des Dachs wurden sinngemäss auch in der Fassade eingesetzt. So mutiert die Dachdeckung über die Dachkante zur Fassadenhaut. Das Fugenbild verleiht dem Gebäude eine Verspieltheit und die sauber eingebauten, nach dem Zeitgeist von heute in der Höhe versetzten Fenster, kommen gut zur Geltung.

Beurteilung der Jury
Für die Jury ist der Anbau «ein mutiger Bau mit mutiger Materialkombination». Er entspricht dem modernen Zeitgeist. Das versetzte, strukturierte und doch freie Kleid verleiht Ausdruck und Leben, ohne aufdringlich zu sein. Die Spenglerarbeit ist funktionell, fachlich sauber geplant und ausgeführt. «Planung, Koordination und Zusammenarbeit klappten perfekt», sagte Spenglermeister René Imholz. Diesen immensen Vorteil sieht die Jury dem Bauwerk an.