Jürg Bernhard am Sanitärtag 2017 «Lehrlingsausbildung: investieren - profiteren»

Schnupperlehre – eine ernste Angelegenheit

Jürg Bernhard bringt es auf den Punkt: «Fehlt uns der Nachwuchs heute, fehlt uns morgen das Kader!»
Manuel Fischer /

«Berufsbildung» wird definitiv zum strategischen Thema in der Branche. Jürg Bernhard, ursprünglich Sanitärmonteur, nun Unternehmensberater und Coach, präsentierte neue Ansätze zur Anwerbung von Jugendlichen und zur Qualitätssteigerung der Grundbildung.

Jürg Bernhards Analyse war schonungslos: «Ich mache mir Sorgen um unseren Berufsnachwuchs.» Die Durchfallquoten bei den Abschlussprüfungen seien in gewissen Kantonen auf besorgniserregendem Niveau (bis zu 40%). Grund genug, kritische Fragen zu stellen: Fehlte es den betroffenen Jugendlichen am nötigen Biss? Mangelt es an Unterstützung durch Eltern oder Lehrbetrieb? Wird hinsichtlich der beruflichen Eignung zu wenig selektioniert? Es ist bekannt: Gerne wünschte sich die Branche Jugendliche mit ausreichendem Schulsack, die aber häufig andere Optionen ins Auge fassen.
Die Werbung für die aussichtsreichen Berufe der Gebäudetechnik wird zur existenziellen Frage: «Wenn wir diese Möglichkeiten nicht mit grossem Engagement bekannt machen, wird uns der gute Berufsnachwuchs in den nächsten Jahren endgültig ausgehen.» Und konsequent weiter gedacht: «Wenn uns der Nachwuchs fehlt, so fehlt uns morgen das Kader!»
Das Werben für den Beruf könne nicht einfach an Schulen oder an den Berufsverband delegiert werden. Die Branche müsse das aktive Gewinnen von jungen Leuten und das sorgfältige Ausbilden im Hinblick auf die langfristige Sicherung des Nachwuchses professioneller gestalten: «Wer von Lernenden profitieren will, muss zuerst in sie investieren!»


Aktives Werben für den Beruf
Jürg Bernhard machte anschauliche Vorschläge, wie es besser gelingen könnte, Jugendliche für eine Berufslehre zu motivieren. Für Interessierte steht eine Checkliste zur systematischen Begleitung von schnuppernden Jugendlichen zum Download bereit (siehe Details im pdf im Anhang 1).


Vertragsabschluss und Lehrzeit
Der Branchenkenner äusserte sich auch zu Strukturen der Berufsbildung. Lehrbucheinträge seien vielfach ein lästiges Muss für die Ausbildungsverantwortlichen wie für die Lernenden: «Über die Anforderungen, den Nutzen und die Erstellungstechnik eines Eintrages wissen viele oft zu wenig Bescheid.» Der Nutzen eines Eintrags sei aber hoch zu werten und deswegen nicht der Berufsschule oder den ÜK-Instruktoren zu überlassen: Lehrlingsbetreuer oder der Chef müssten zur Qualität des Eintrags instruieren. Dabei gelte der Grundsatz «Qualität statt Quantität».
Auch hierzu präsentierte der Referent konkrete Vorschläge. Den ganzen Textbeitrag können Interessierte im Anhang 2 als pdf beziehen.


Anhang 1: Checkliste Schnupperlehre
Anhang 2: Schnupperlehre und Lehre – Sorgfalt und Qualität ist entscheidend