Nachmittagsseminar Heizung der 1. suissetec-Fachtagung «Heizung Lüftung Klima» vom 22. März 2018 in Zürich

Qualitätssicherung bei Heizungsanlagen

Andreas Dellios von der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS): «Das Wärmepumpen-Systemmodul zieht an. Wir rechnen dieses Jahr mit 2200 Förderanträgen bei den Kantonen.»
Fery Lipp, Manuel Fischer /

Das Nachmittagsseminar Heizung bot Orientierung hinsichtlich neuer Hilfsmittel wie Planungshandbü- cher und Merkblätter für die Berufspraxis, zum Wärmepumpen-System-Modul sowie zur technischen Wasseraufbereitung von Heizungswasser.

Nichts bleibt still im Fachbereich Heizung. Die Gebäudetechnik zeichnet sich aus durch ständig fortlaufende Revisionen von Normen und Planungsgrundlagen – mit Auswirkungen auf die Praxis. Robert Diana, Leiter Fachbereich Heizung beim Branchenverband suissetec, orientierte über die laufenden Projekte. So stehen neue Planungshandbücher in den Bereichen Heizung und Lüftung kurz vor der Vollendung. Im Bereich Heizung sind neueste Merkblätter publiziert worden wie «Wärme- und Trittschalldämmungen unter Estrichen», dann «Beschaffenheit des Füllund Ergänzungswassers für Heizungsund Kühlanlagen» sowie «Hydraulischer Abgleich in neuen Heizungsanlagen». Weitere werden folgen wie z. B. «Wärmetechnische Gebäudesanierung», «Regeneration und Optimierung von Erdwärmesonden» und «Frostschutzmittel und chemische Behandlung des Anlagewassers».

Schwarm von WPSM-Förderanträgen
Andreas Dellios, Projektleiter Wärmepumpen-Systemmodul bei der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS), orientierte zum aktuellen Stand des Wärmepumpen-System-Moduls (WPSM). Eines der Vorteile des WPSM für den Auftraggeber einer Anlage: Die gesamte Anlage – Wärmeerzeuger, Hydraulik, Speicher - ist als Ganzes von unabhängigen Fachleuten geprüft. Das Zertifikat erhalten nur ausgereifte und bewährte Module.

Mittlerweile gewähren 21 Kantone Förderbeiträge für installierte Wärmepumpen beim Ersatz von elektrischen und/oder fossilen Heizungen aufgrund des WPSM-Zertifikats. Bereits 2017 wurden 511 Anträge auf Förderung gestellt und 395 Zertifikate erteilt. Da nun in kurzer Zeit fast alle Kantone Förderbeiträge (auf der Basis des harmonisierten Modells von Bund und Kantonen) leisten, zeichnete sich bereits in der zweiten Jahreshälfte ein sprunghafter Anstieg der Anträge ab. In den ersten vier Monaten des Folgejahres setzte sich der Trend fort, so Dellios: «Bis Ende April 2018 sind bereits über 700 Anträge in unserer Datenbank eingetragen. Bis Ende Jahr rechnen wir mit 2200 Anträgen alleine für 2018.»

Es geht aber nicht nur um Geld, wie Dellios betont: «Die Durchsetzung des WPSM in der Breite bringen eine merkliche Qualitätsverbesserung im langfristigen Betrieb und eine sofortige Erhöhung der Energieeffizienz um ca. 15% gegenüber herkömmlich geplanten und installierten Anlagen. Unsere WPSM-Stichprobenkontrollen im Vergleich zu üblichen Feldkontrollen bestätigen dies.» So komme eine fehlende Rohrdämmung praktisch nicht mehr vor. Ebenso sei es weit seltener, dass eine überdimensionierte Heizleistung installiert worden war.

Leitwert des Wassers
Peter Kunz von der Kunz Beratungen AG legte den Fokus auf die Zusammensetzung des Anlagewassers. Nutzen und Risiken des Chemiecocktails standen zur Debatte. «Im Mittelpunkt muss stehen, dass für die Befüllung von Heizungsanlagen kein Leitungswasser mehr verwendet wird», betonte Kunz. «Alle Anlagen dürfen nur sehr salzarm befüllt werden. Die Richtlinie SWKI BT 102-01 sorgt hier für Klarheit.» Bis heute seien bei Anlagen mit Wasser gemäss Richtlinie keinerlei Schäden durch das Umlaufwasser gemeldet worden. «Der Leitwert ist wichtiger als der pH-Wert oder die Härte im Wasser», so der Heizwasserspezialist. Man nehme hier die Gelegenheit zur Auffrischung des Fachwissens wahr: Die Leitfähigkeit des Wassers ist eine wichtige Eigenschaft, aus der Rückschlüsse auf die Qualität des Wassers geschlossen werden können. Grundsätzlich ist reines Wasser nicht leitfähig, d. h. es leitet keinen elektrischen Strom.

Erst im Wasser gelöste Stoffe, wie Chloride, Sulfate oder Carbonate, machen das Wasser leitfähig. Grundsätzlich gilt, so Kunz: «Die Hauptschä- den werden durch solche Salze im Wasser verursacht.» Bei der Abwägung der Vor- und Nachteile bei Wasseraufbereitung und -behandlung bzw. beim Chemiecocktail im Umlaufwasser gab Kunz zu bedenken, dass die Risiken besonders in der Verteilung im Leitungsnetz, der Unterkonzentration, Werkstoffverträglichkeit und der Entsorgungsthematik lägen. Kunz hielt in seinem Résumé fest, Werkstoff-Übergänge (z. B. Eisen/Kupfer) stets mit Trennarmatur vorzunehmen und die Qualität des Umlaufwassers periodisch zu kontrollieren.

Die Kombi-Zukunft
Marc Bätschmann, Geschäftsführer der Allianz 2SOL, skizzierte eine mögliche mittelfristige Zukunft der Wärmepumpentechnologie. Im System 2SOL wird Wärme über eine Erdwärmesonde nicht nur aus dem Boden geholt und ins Gebäude transportiert. Es leitet in Zeiten übermässigen Ertrags die Wärme auch ins Erdreich, womit dieses saisonal regeneriert und nachhaltig bewirtschaftet wird. Neben dem Hybridkollektor (Photovoltaik und Solarwärme auf derselben Dachfläche) und der Erdwärmesonde ist die Wärmepumpe eine der zentralen Komponenten des 2SOL-Systems. Pilotprojekte zu 2SOL wurden bereits realisiert.

Vgl. auch HK-Gebäudetechnik 5/17,
S. 43–45: Mit Solarenergie und Erdspeicher zum emissionsfreien Gebäudepark

www.suissetec.ch