Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) macht Vorschläge zur Mittelverwendung aus dem Netzzuschlag 2008-2019

Photovoltaik taugt auch fürs Winterhalbjahr

PlusEnergie-MFH SonnenparkPlus in Wetzikon: Die monokristallinen PV-Module sind ganzflächig auf der Süd- und Westfassade integriert. (Foto: Schweizer Solarpreis 2018)
Der Mehrfamilien-Neubau SonnenparkPlus in Wetzikon weist eine vorbildliche Dach- und Wanddämmung auf. Die 45 kW starke PV-Dachanlage erzeugt rund 45’000 kWh/a und die 36 kW starke Fassaden-PV-Anlage generiert etwa 23’000 kWh/a. Zusammen ergibt dies rund 68’000 kWh/a Solarstrom. Damit erreicht das PlusEnergie-MFH eine Eigenenergieversorgung von 139%. (Foto: Schweizer Solarpreis 2018)
Talstation Klein Matterhorn Bahn, Zermatt: Die 136 kW starke PV-Anlage ist optimal in die Fassade integriert. (Foto: Schweizer Solarpreis 2018)
Stromerzeugung pro Kopf aus Solar- und Windenergie im internationalen Vergleich.
Ausbau der Windenergie weltweit in TWh/a. (Quelle: BP Statistical review of world energy 2018)
Ausbau der Solarenergie weltweit in TWh/a. (Quelle: BP Statistical review of world energy 2018)
Links: Soll-Zubaupfad für 20 % Solarstrom (blau) und tatsächliche Neuinstallationen (rot). (Quellen: EnergieSchweiz, Swissolar / Bundesamt für Energie)
Rechts: Stärkster Umsatz-Einbruch bei den kostengünstigen Grossanlagen seit 2015 (grau). (Quellen: EnergieSchweiz, Swissolar / Bundesamt für Energie)
Entwicklung der PV-Vergütungen 2009-2019, Vergleich mit anderen Technologien. (Quelle: Jahresberichte Stiftung KEV, Energieverordnung)
Quelle: Schweizerische Energie-Stiftung (SES) /

Die Schweizerische Energiestiftung (SES) als Herausgeberin einer neuen Studie fordert: Der Bundesrat, das UVEK und das Parlament haben für verbesserte Rahmenbedingungen für Photovoltaik-Anlagen zu sorgen. Bewilligungsverfahren für Photovoltaik seien zu beschleunigen, Eigenverbrauchsgemeinschaften sollen in einem liberalen Umfeld agieren. Zudem seien Einspeisevergütungen für vergleichsweise kostengünstige, grosse PV-Anlagen mit Ausschreibungen zu ermitteln, solche ohne Belastung aus dem Netzzuschlagsfonds bevorzugt zu bewilligen.

Dank Preissenkungen ist Photovoltaikstrom aus neuen Anlagen heute kostengünstiger als jede andere Kraftwerkstechnik. Photovoltaik (PV) revolutioniert den Energiesektor weltweit und leistet einen wichtigen Beitrag, um die Klimaziele des Pariser Abkommens kostengünstig zu erreichen.
In der Schweiz wird diese technologische Revolution noch immer ausgebremst, obwohl die Reserven im Netzzuschlagsfonds Ende 2018 voraussichtlich 1 Mrd. Franken übersteigen.
Trotzdem gewärtigen Zehntausende PV-Projekte Wartezeiten von drei bis sechs Jahren bis zur Auszahlung der Einmalvergütungen, angeblich wegen ungenügender Liquidität des Fonds.

PV liefert auch Winter kostengünstig Strom
Die Studienautoren sind überzeugt: Photovoltaik kann auch im Winterhalbjahr den günstigsten Strom liefern. Die Versorgungssicherheit lässt sich mittels PV namhaft verbessern. Der Import von Strom könnte auch im Winterhalbjahr sinken. Solarstromanlagen im bebauten Raum sind anpassungsfähig und belasten Landschaften und Gewässer kaum. Für vertikal ausgerichtete Solarmodule an Fassaden, Balkonen und entlang von Verkehrswegen sowie an alpinen Standorten sollte der Bundesrat geeignete Anreize setzen.
Neue Solaranlagen sind kostengünstiger als der Bau von neuen Kraftwerken mit Wasserkraft, Biomasse, Biogas oder Geothermie. Bei den letzten drei ist der direkte Einsatz zur Deckung des Wärmebedarfs dank besserem Wirkungsgrad, höheren CO2-Reduktionen und besserer Rentabilität sinnvoller.

An die Adresse der Politik
Bundesrat und Parlament blockieren die Photovoltaik trotz inzwischen stark gesunkenen Kosten weiter. Dass der Ausbau nach der Volksabstimmung von 2017 klein gehalten wird, obschon die Solarenergie den Netzzuschlagsfonds pro Kilowattstunde am geringsten belastet, widerspricht dem Volkswillen und war so nicht zu erwarten.

Massnahmenkatalog
Das Interesse von Investoren an der Photovoltaik ist unverändert gross. Um den Ausbau endlich zu realisieren ist folgendes gefordert:
• Die Höhe der Einmalvergütungen sollte bis 2023 nicht weiter gesenkt werden. Die Kostensenkungen sind vorläufig ausgereizt.
• Die Wartefristen für PV-Kleinanlagen müssen unter drei Monate, für Grossanlagen unter sechs Monate sinken.
• Die Bewilligungsverfahren für Photovoltaik sind zu beschleunigen und die Nutzungsrechte im bebauten Raum sind zu erweitern, etwa auf öffentlichen Infrastrukturen. Die Rahmenbedingungen sind vermehrt auf kostengünstige Optionen für eine hohe Stromerzeugung im Winterhalbjahr auszurichten.
• Eigenverbrauchsgemeinschaften sollten rechtlich weiter als bisher liberalisiert werden. Der Weiterverkauf von lokal erzeugtem PV-Strom sollte über mehrere Parzellengrenzen hinweg kostenlos und unbegrenzt möglich sein. Auf ineffiziente Parallelnetze ist zu verzichten.
• Für PV-Grossanlagen ohne Eigenverbrauch sind Einspeiseprämien probeweise mit Ausschreibungen zu ermitteln. Anlagen mit Einspeiseprämien von null (gemessen an den aktuellen Marktpreisen), sollen eine definitive Finanzierungszusicherung innert drei Monaten erhalten. Eine Belastung aus dem Netzzuschlagsfonds entsteht voraussichtlich nicht.
•  An peripheren Standorten (ohne Eigenverbrauch) sollten die Netzanschlusskosten erlassen werden. Damit trägt man der Systemdienlichkeit von Strom im Winterhalbjahr Rechnung. Bei der Offshore-Windkraft ist dies europaweit längst der Fall.
Fazit
Eine Neugestaltung der Leistungen aus dem Netzzuschlag kann dafür sorgen, dass wir das ökologische Profil verbessern, die einheimische Wertschöpfung stärken, die Versorgungssicherheit erhöhen und die Kosten insgesamt senken.

Download

Die Studie kann unter www.energiestiftung.ch/strommarkt heruntergeladen werden. Siehe auch Direkt-Download.