Halbjahres-Pressekonferenz Siemens Schweiz – Neue Technologien, Geschäftszahlen 2. Qu. 2018

Mit weniger Treibstoff über den See

Martin Einsiedler, Leiter Schiffsentwurf und Engineering bei der Shiptec AG, erklärt die Technik im Kommandoraum: «Im Vergleich zu einem reinen Dieselantrieb braucht das Schiff damit weniger Treibstoff und stösst weniger CO2 aus.»
Dank der Kombination aus Elektro- und Dieselmotoren reichen die eingebauten Dieselmotoren mit je 405 kW Leistung aus.
Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen sind z.T. mit Siemens-Technik ausgestattet und sorgen für ein angenehmens Klima.
Zur MS Diamant, dem neuen Kurs- und Bankettschiff auf dem Vierwaldstättersee, gehört auch ein nobles Treppenhaus.
Ein Blick in einer der Speisesääle im Hinterdeck.
Im Nautilus-Raum ermöglicht ein Unterwasser-Fenster den Blick unter die Wasseroberfläche.
Ein permanent erregter Motor/Generator von Siemens (r.) und ein Frequenzumrichter (li.) der Siemens ELFA-Technologie.
Auf der tief gelegenen Terrasse am Heck lässt sich die Fahrt über den Vierwaldstättersee knapp über der Wasseroberfläche geniessen. Wer will, geniesst ein Fussbad.
Im Vordergrund der Elektromotor, im Hintergrund der Dieselmotor, dazwischen ist das Hybridgetriebe eingebaut.
Im Hintergrund (blau) die Hydraulikpumpen der Ruderanlage des Motorschiffes.
Quelle: Siemens Schweiz, Bearbeitung M. Fischer /

Siemens Schweiz AG engagiert sich für eine sauberere Zukunft in der Schifffahrt. Auf dem Vierwaldstättersee sind bereits Schiffe unterwegs, die dank eines kombinierten Antriebs mit Diesel- und Elektromotoren einen Fünftel weniger fossilen Treibstoff verbrauchen.

Siemens Schweiz AG, die regionale Ländergesellschaft des weltweit tätigen Siemens-Konzerns, lud dieses Jahr die Vertreter der Fachpresse auf den Vierwaldstättersee. Man war zu Gast auf der MS Diamant, dem neuen Kurs- und Bankettschiff der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV). Das Motorschiff ist mit einem parallel hybriden dieselelektrischen Antrieb ausgestattet. Die Idee: Im Normalbetrieb treiben zwei Dieselmotoren die MS Diamant an. Die daran gekoppelten Elektromotoren arbeiten dann als Generatoren und versorgen das Schiff mit elektrischer Energie oder laden die Batterien auf. Bei schwierigen Wetterbedingungen oder grosser Beschleunigung unterstützen die Elektromotoren die vergleichsweise kleindimensionierten Dieselmotoren. «Im Vergleich zu einem reinen Dieselantrieb braucht das Schiff damit weniger Treibstoff und stösst weniger CO2 aus», erklärte Martin Einsiedler, Leiter Schiffsentwurf und Engineering bei der Shiptec AG, einer Tochtergesellschaft der SGV.

Vollintegriertes Energie- und Antriebssystem
Umgesetzt hat Shiptec das neue Antriebssystem gemeinsam mit Siemens. Die Spezialisten von Shiptec und Siemens analysierten die Anforderungen zum künftigen Stromverbrauch an Bord aber auch zur Schiffsdynamik auf dem See. Die Spezialisten bemühten sich, insbesondere den Bedarf nach so genanntem «Peakshaving» voraus zu berechnen. Peakshaving bedeutet, Spitzenlasten elektrisch zu brechen. Braucht der MS Diamant mehr Energie, als die Dieselmotoren generieren können, liefern zwei Elektromotoren von Siemens mit je 180 kW Leistung diese aus den Batterien. So muss der Dieselmotor die Spitzen nicht abdecken können. Dank dieser Kombination reichen kleinere Dieselmotoren mit je 405 kW Leistung aus, die dafür bei einem guten Wirkungsgrad laufen. Die Batterien, die insgesamt über eine Kapazität von 84 kWh verfügen, werden über den Wellengenerator geladen. Bei einer kontinuierlichen Geschwindigkeit benötigt der Antrieb meist nicht die ganze Energie des Dieselmotors. Mit der Differenz wird das Bordnetz gespeist und die Batterien geladen. Senkt der Schiffsführer die Drehzahl des Motors, schaltet das System um und die Batterien speisen das Bordnetz. Theoretisch könnte das Schiff auch rein elektrisch fahren, aber hierzu reichen die Batterien wegen des hohen Bedarfs des Bordnetzes nur für eine Viertelstunde. Geheizt werden die Passagierräume des Schiffes mit der Abwärme der Motoren, gekühlt wenn immer möglich mit Seewasser.

Lange Tradition
Was viele kaum wissen: Siemens verfügt über eine lange Tradition in der Schiffsantriebstechnik. Bereits 1886 nahm die Firma Siemens & Halske auf der Spree in Berlin ein Elektro-Schiff in Betrieb. Die 80 Akkumulatoren der «Elektra» hatten ein Gewicht von zwei Tonnen und wurden innert acht Stunden geladen. Das Boot erreichte eine Geschwindigkeit von maximal 14 km pro Stunde. Das jüngste Schiff auf dem Vierwaldstättersee ist das Motorschiff MS Bürgenstock, das Mitte Mai getauft wurde. Es ist als Katamaran ausgelegt und ist bis zu 32 km/h schnell. Wie bei der MS Diamant hat Siemens auch hier bei diesem Schiff das hybride Antriebssystem geliefert.
Siegfried Gerlach, CEO der Siemens Schweiz AG, legte die aktuellen Geschäfte der Ländergesellschaft anhand des 2. Quartals 2018 dar. Der Auftragseingang belief sich auf 591 Mio. Franken (Vorjahresquartal: 632 Mio. Fr.), der Umsatz auf 645 Mio. Fr. (Vorjahresquartal 509 Mio. Fr.). Insgesamt sind bei der Ländergesellschaft 3221 Personen (inklusive Lernende) beschäftigt. Zuzüglich weiterer Tochtergesellschaften sowie dem Hauptquartier (inklusive F&E) der Konzernsparte «Building Technologies» wurden 5660 Beschäftigte gezählt.

Bedeutende Projekte

Die Energiewende 2050 fordert die Lieferung intelligenter Stromzähler. Siemens entwickelte für das Energieversorgungsunternehmen BKW ein cloudbasiertes Netznutzungssystem namens EnergyIP. Denn die um Zehnerpotenzen höhere Menge an Daten müssen automatisch erfasst und ausgewertet werden. Diese Partnerschaft im technischen Bereich hilft, die Stabilität in intelligenten Netzen aufrecht zu erhalten.
Siemens liefert auch wichtige Elemente für das so genannte «Smart Building». Ein Indoor Positioning System (IPS) basiert auf winzige Signalgeber in Gebäude, die über WLAN/Bluetooth den Standort von Personen oder Gegenständen eruieren können. Die dazu übermittelten Daten sollen die Grundlage für weitere Effizienzsteigerungen in der Gebäudetechnik liefern. Die miniaturisierten Signalgeber auf der Grundlage der Bluetooth-Technik kommen übrigens auch bei einer von Siemens entwickelten elektronischen Ticketlösung zum Einsatz. Im Gegensatz zu anderen Apps entfällt eine GPS-Ortung.