Verliehen an Swissbau 2016: Umweltpreis der Stiftung pro Aqua – pro Vita

Materialien haben gewonnen

Plenum (Fotos: Jürg Wellstein)
Max Renggli
ErlenApp
Jürg Wellstein /

Innovative Entwicklungen von Materialien standen im Mittelpunkt der Verleihung des Umweltpreises 2016 der Stiftung pro Aqua – pro Vita. Diese wurde anlässlich der Swissbau in Basel durchgeführt. Den Umweltpreis teilten sich die FluidSolids AG mit ihren Biokunststoffen aus nachwachsenden Ressourcen und die CSEM SA mit ihrer Farbbeschichtung von Photovoltaik-Modulen.

Als Ecopreneur ausgezeichnet wurde Max Renggli, und die Schweizer Jugendherbergen erhielten einen Spezialpreis der Jury für ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten.
Den Umweltpreis 2016 der Stiftung pro Aqua – pro Vita haben in der Kategorie „Innovation“ zwei Unternehmen gewonnen: FluidSolids AG in Zürich und CSEM SA in Neuchâtel teilen sich die Auszeichnung, die mit insgesamt 50'000 Franken dotiert ist. In seiner Einführung wies Stephan Peyer, Präsident des Stiftungsrates pro Aqua - pro Vita, darauf hin: "Die Erde ist am Limit, die jährliche Reproduktionsschwelle war im 2015 bereits im August überschritten und wir gehen offensichtlich in die falsche Richtung. Mit den beiden Preisträgern können wir etwas dagegen machen."

Kunststoffe aus Bio-Restmaterial
In seiner Laudatio für die 2011 gegründete FluidSolids AG ging Jurymitglied Peter Hunziker auf das globale Problem der Umweltverschmutzung durch Kunststoffe ein. Diese gelangen als Abfälle in die Böden und in die Meere, und somit in die Nahrungskette. In der Zukunft werden deshalb Stoffe für eine bestimmte Nutzungsdauer verlangt. Oder Biokunststoffe aus nachwachsenden Ressourcen, wie sie FluidSolids entwickelt hat. Im Gegensatz zu anderen Biokunststoffen werden zur Herstellung keine Nahrungsmittel eingesetzt, dieses Material besteht aus den Reststoffen nachwachsender Ressourcen und ist biologisch abbaubar.

Mit seinen ökologischen und physikalischen Eigenschaften kann das Material für eine Vielzahl von Produkten eingesetzt werden, die heute noch Metall, Holz und vor allem erdölbasierte Kunststoffe enthalten. Das Granulat lässt sich sowohl mit den traditionellen Verfahren der industriellen Massenproduktion verarbeiten als auch mit der neuen Technologie des 3D-Drucks. Die FluidSolids AG baut inzwischen in der Schweiz eine eigene Produktion auf, um das patentierte und ressourcenschonende Material zu produzieren und weltweit zu vertreiben.

Photovoltaik in weiss
Jurymitglied Isabelle Chevalley konnte eine renommierte Unternehmung für Innovationen präsentieren: CSEM SA mit ihrem Photovoltaik-Labor. Während Photovoltaik-Module für Dachinstallationen eine erfolgreiche Entwicklung aufweisen und sich für die Solarstromproduktion als Bestandteil der Energieversorgung etablieren konnten, weisen sie für architektonische Anwendungen noch immer ästhetische Nachteile auf. CSEM konnte eine neue Technologie entwickeln, mit welcher Zellen und ihre elektrischen Verbindungen in den Solarmodulen nicht mehr sichtbar sind. Die PV-Technologie auf der Basis von kristallinem Silizium eignet sich nun zur Herstellung weisser und farbiger Solarmodule. Die neuen Solarpanels können sowohl auf ein bestehendes Modul appliziert als auch während der Herstellung in ein neues Modul integriert werden. Sie funktionieren auf glatten und gekrümmten Flächen und sollen somit hauptsächlich im Bereich der gebäudeintegrierten Photovoltaik (BIPV) angewendet werden.

Ecopreneur im Holzhausbau
Max Renggli führt als Vertreter der 4. Generation und als Inhaber die 1923 gegründete Renggli AG. Der Präsident der Umweltpreis-Jury erinnerte im Rahmen der Auszeichnung in der Kategorie «Ecopreneur» an das 2002 auf dem Bundeshausplatz in Bern über Nacht errichtete Solarhaus von Max Renggli, mit dem er auf die Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung hinweisen wollte und zudem die Vorzüge des systematischen Holzhausbaus mit Vorfertigung präsentierte. Offenbar war der damalige Bundesrat Adolf Ogi sogar erstaunt und begeistert. Max Renggli hat sich im Bereich der Minergie-Häuser als Wegbereiter profiliert und im Holzhausbau neue technische Lösungen angestossen. Heute zählt Holz im Bauwesen zu einer akzeptierten Option, sei es für mehrgeschossige Neubauten oder Gebäudeerweiterungen und Aufstockungen. Ecopreneur Max Renggli nahm die Auszeichnung mit Freude entgegen.

Jugendherbergen überzeugen
Mit beinahe einer Million Logiernächten stellen die Schweizer Jugendherbergen (SJH) einen beachtlichen Akteur in der Tourismusbranche dar. Sie betreiben zusammen mit der Schweizerischen Stiftung für Sozialtourismus (SSST), die für Bau und Unterhalt dieser Häuser verantwortlich ist, 46 eigene Jugendherbergen. Dabei haben sie sich mit innovativen Projekten als Vorreiter im Bereich der Nachhaltigkeit etabliert; das Umweltmanagement der SJH und der SSST berücksichtigt die Ökologie beim Bau genauso wie im Betrieb. Dank dem steten Blick auf den anfallenden Energieverbrauch und die dabei entstehenden Emissionen konnte zum Beispiel die CO2-Intensität pro Quadratmeter seit dem Jahr 2000 um mehr als die Hälfte reduziert werden. Auf der Basis dieser Qualitäten hat Jurymitglied Daniel Zürcher diesen Institutionen ein Spezialpreis der Jury übergeben.

Instrument für eine nachhaltige Nutzung
Dass Nachhaltigkeit nicht nur gebaut, sondern auch betrieben werden muss, ist zwar allen bekannt. In der Realität werden jedoch die Umsetzungsschwierigkeiten offensichtlich. Mit dem anlässlich der Verleihung des Umweltpreises 2016 präsentierten Impulsreferat „Digital nachhaltig leben“ zeigte Stefan Zanetti, CEO und Gründer von qipp in Basel, eine Lösung. Mit heutiger Kommunikationstechnik wurde eine Plattform für die Bewohnerinnen und Bewohner des neuen Wohnareals Erlenmatt in Basel geschaffen. Dieses lokale Netzwerk zeigt nicht nur die jeweiligen Energieverbrauchswerte auf, sondern erlaubt auch Informationsaustausch zu allen möglichen Lebenssituationen. Dabei werden Sharing- und Dienstleistungsangebote im Areal vermittelt, Suchanfragen ausgetauscht sowie News und Veranstaltungshinweise gegeben. Stefan Zanetti sagte: „Über der physischen (Bau)-Welt können wir mit dieser Erlenmatt-Applikation eine digitale Welt, kommunikative Schichten schaffen, mit welchen ein nachhaltiger Betrieb unterstützt werden kann.“ Selbstverständlich befinden sich auch alle Dokumentationen zu Wohnungen und Geräten auf dieser digitalen Plattform.

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