Unsichtbare Sanitärtechnik im Fussballstadion

Grundleitungen – unsichtbar, zuverlässig für Jahrzehnte

Ein eisenarmiertes Magerbetonbett ist die Basis für das Verlegen der zahlreichen Grundleitungen.
Ein eisenarmiertes Magerbetonbett ist die Basis für das Verlegen der zahlreichen Grundleitungen.
Nicht alltägliche Dimensionen: Das neue Stadion im Bau weist eine Grundfläche von 19‘873 m2 auf.
Gemäss den Einlegeplänen mussten die Grundleitungen ein Gefälle von nur 2 cm pro 1 Meter (bzw. 2%) ausweisen.
Die in der Werkstatt vorgerüsteten Abläufe mit den Verzweigungen warten auf der Baustelle auf die Montage.
In einer späteren Phase füllte man die Differenz zwischen Unterlage und der Unterkante der Betongrundplatte ebenfalls mit Magerbeton auf.
Jeder Sanitärapparat musste einzeln an die Grundleitung angeschlossen werden.
Gut, wer hier die Übersicht behält: Die Koordination mit anderen Gewerken auf dem Bauplatz ist zentral.
Hier ein Blick auf die Anschlussrohre zu den Apparaten in den Nasszellen.
Im Verlaufe der Monate Februar bis Dezember 2017 erstellte ein Riedo-Montageteam nicht weniger als 2000 Meter PE-Rohre, welche die Funktion haben, die Abwässer aus Dutzenden von Toiletten und Waschtische wegzuführen.
Manuel Fischer /

Nicht alltäglich ist das Planen und Installieren von Grundleitungen einer grossen Sportanlage. Das Unternehmen Riedo-Clima AG bewältigte diese grosse Aufgabe dank einer guten Arbeitsvorbereitung der Fabrikationspläne im Büro, der Vorfabrikation der Abläufe auf der Baustelle und einer guten Koordination der Montagearbeiten bis hin zu einer minutiösen Dichtheitsprüfung.

Der Bau von Sportstadien gehört zu den grössten und prestigeträchtigsten Bauvorhaben in einer Stadt. Besondere Bedingungen und die ungewöhnlichen Dimensionen zeichnen solche Bauprojekte aus. In der Schweiz braucht es häufig mehrere Anläufe, da solche Grossprojekte auch Nutzungskonflikte und nachfolgende Rechtsstreitigkeiten provozieren, wie etwa die leidige Geschichte rund um den Neubau des Zürcher Fussballstadions Hardturm bezeugt. In Lausanne ging man hingegen wesentlich zügiger ans Werk. Das Projekt «Stade de la Tuilière» wird als Teil der Quartierentwicklung Métamorphose verstanden, das auch einen Abbruch der inzwischen veralteten Sportstätte «Stade olympique de la Pontaise» vorsieht.
Gerade das Beispiel des neuen Fussballstadions in Lausanne als grossflächigen Bauwerks macht es offensichtlich: Nach dem erfolgten Bauaushub kommt der Planung und Installation von Grundleitungen eine herausragende Rolle zu.

Riesige Betonplatte
Im Falle des Stadions war zu berücksichtigen, dass eine riesige Betongrundplatte (von 10‘097 m2) die Basis der Stadionaufbauten bildete. Die Sanitärplaner hatten also nicht nur die Parameter des Teilprojektes Entwässerung festzulegen (Strömungsquerschnitt, Abfluss-Kennzahl, Gefälle, Rückstauebene usw.), sondern die Öffnungen in der Betongrundplatte für die Anschlüsse genau zu definieren. Mit der ersten Aufgabe war das Gebäudetechnik-Ingenieurbüro Grünig & Partner in Bern beauftragt worden.
Die zweite Aufgabe wurde dem Gebäudetechnik-Unternehmen Riedo Clima AG in Düdingen übertragen. Das Unternehmen verfügt über breite Erfahrung beim Erstellen von Grundleitungen grosser Industriebauten. «Im Falle des Stadions in Lausanne war alles nochmals um eine Dimension grösser», berichtet Alain Oulevey, der für Riedo Clima eingesetzte Verantwortliche für das Erstellen der Grundleitungen. Je nach Arbeitsanfall war über ein Dutzend Fachleute und Bauarbeiter auf dem Bauplatz. «Zeitweise habe ich bis zu zehn Leute nur zur Montage von Rohrschellen eingesetzt», so Oulevey. Der Sanitärfachmann nahm die Gelegenheit wahr, das ganze Projekt über das Notwendige hinaus detailliert zu dokumentieren, d.h. nicht nur mit Plänen und Abnahmeprotokollen, sondern auch mit Fotografien des jeweils aktuellen Baufortschritts.

Koordination ist sehr wichtig
Die Koordination mit anderen Fachleuten und deren Vorgaben auf dem Bauplatz ist zentral. Dies gilt umso mehr im Anfangsstadium eines Bauwerks, wo ausser einer Baugrube überhaupt nichts sichtbar ist. «Ohne die Vorarbeiten des Geometers können wir nichts machen», erläutert Alain Oulevey. «Man musste quasi auf einem riesigen Gelände Magerbeton-Einlagen für die Abläufe einrichten. Dabei mussten jeweils der Anfangs- und der Endpunkt jeder einzelnen Leitung in einem dreidimensionalen Koordinatensystem genau definiert sein.»
Das vom Geometer gesetzten dreidimensionalen Koordinationspunkte (Achsen und Höhenmeter) geben die Orientierung vor, damit anschliessend die Riedo-Clima-Teams ihre Rohrleitungen genau ausrichteten. Man legte die Achsen der zu installierenden Abläufe fest und spannte anschliessend die Schnüre. Man sieht: Trotz Einsatz moderner Navigationstechnologie wie GPS kommen auf dem Bauplatz immer noch altbewährte Methoden zum Einsatz.

Viele Besonderheiten
Für den Bauauftrag musste der Projektleiter spezifische Eigenschaften vor Ort berücksichtigen. So verfügt die künftige Sportstätte nicht über einen steinigen sondern über einen weichen Bauuntergrund. Man traf demzufolge Massnahmen, damit die Grundleitungen unterhalb der Betonplatte nicht «wandern» können. Man kleidete (ausnahmslos) alle Leitungen in ein eisenarmiertes Magerbetonbett und füllte anschliessend die Differenz bis zur Unterkante der Betongrundplatte ebenfalls mit Magerbeton auf, wobei die Eisenarmierungen bis in die Bodenplatte reichten. Ausserdem musste jeder Sanitärapparat einzeln an die Grundleitung angeschlossen werden: Ungewöhnlich war, dass die Sanitärzellen des Stadions nur mit Fliesen über Betonoberkante (ohne Estrich, Trittschall-Dämmung usw.) ausgestattet wurden. Das hat zur Folge, dass man Fehler nicht so leicht korrigieren kann.

Strenge Druckprüfung
Die Sicherheit von Grundleitungen steht an oberster Stelle. Man bedenke, dass eine Entwässerungsanlage über Jahrzehnte zuverlässig ihren Dienst verrichten muss und die Abwässer aus einem Gebäude zur öffentlichen Abwasserreinigungsanlage leitet. Über das Mindestmass gemäss Entwässerungsnorm (SN 592 000 : 2012) hinaus verlangten der Sanitärplaner und Alain Oulevey eine besonders strenge Druckprüfung. Jeder der rund 84 Abläufe wurden einzeln anhand einer Dichtheitsprüfung mit Luft getestet und zwar – fortlaufend, bevor die Abläufe im Magerbeton einbetoniert wurden - im November 2017 und im März 2018.

Fazit
Die strengen Vorgaben haben, so Oulevey, einen simplen Grund: «Es gibt kein Zurück mehr. Der Ablauf unter einer meterdichten Bodenplatte muss einfach dicht sein.»

Den ganzen Artikel zu lesen in Print-Ausgabe Nr. 05-2019, S. 61-63