Sanitärtechnik | Wohnen | Podiumsdiskussion zur Trinkwasserhygiene am suissetec-Sanitärtag

Expertise rund ums Trinkwasser

Reto von Euw, Stefan Kötzsch, Urs Lippuner und Irina Nüesch befragt von Moderatorin Christa Rigozzi. (Bild: B. Devènes)
Manuel Fischer /

Erstmals wurde an einem Sanitärtag eine Fragestellung mit einer Podiumsdiskussion behandelt. Die «Trinkwasserhygiene» ist ein Dauerbrenner für die Branche. Moderatorin Christa Rigozzi leitete die Diskussionsrunde mit Stefan Kötzsch, Irina Nüesch, Reto von Euw und Urs Lippuner.

Durch Veränderungen in der Demografie und den Bedürfnissen an Wohnraum hat sich auch der Wasseraustausch in Gebäuden verändert. Umso wichtiger sei es, den Fokus auf die Trinkwasserhygiene zu setzen. Heute teilen sich immer weniger Menschen immer mehr Nasszellen. Damit das saubere Trinkwasser in der Schweiz dennoch in genügend regem Austausch gehalten wird, braucht es gute Planung, kompetente Sanitärinstallateure und verantwortungsvolle Endverbraucher. Dieses Dreieck fordert die Branche nach wie vor. 

Wir sind mikrobiologische Hotels
Die Moderatorin stellte u. a. die Frage, wie man Bakterien im Trinkwasser «bekämpfen» könne. Stefan Kötzsch, der für das Departement Technik & Architektur der Hochschule Luzern und das Wasserforschungsinstitut Eawag das KTI-Forschungsprojekt «Materialien in Kontakt mit Trinkwasser» leitet, bescheinigte dem Trinkwasser in der Schweiz eine ausgezeichnete Qualität. Zwar leben in Wasser erster Güte l bis zu 10 000 Bakterienarten. Diese siedeln sich gemeinsam mit Viren, Pilzen und Protozoen in Trinkwasserleitungen an und bilden einen Biofilm. Doch kein Grund zur Beunruhigung, so Kötzsch: «Ein solcher Belag ist für den Menschen ungefährlich, wenn sich die Bakterienzusammensetzung in einem gesunden Gleichgewicht befindet. Wir alle sind mikrobiologische Hotels.» Die Trinkwasserhygiene werde aber mit neuen Herausforderungen konfrontiert; er nannte das veränderte Nutzerverhalten, das verdichtete Bauen und die Vervielfältigung der Entnahmestellen. Hygieneprobleme seien beobachtbar, wo das Wasser das kommunale Verteilnetz verlasse. Laut Gesetz sind die Hauseigentümer für die Qualität des Wassers verantwortlich, Kontrollen finden aber selten oder nur nach Beanstandungen statt. 

Trinkwasserhygiene vs. Energieverbrauch
Urs Lippuner, Inhaber Alco Haustechnik AG und Mitglied im Suissetec-Fachbereichvorstand Sanitär/Wasser/Gas, sieht bei den Temperaturen der Wärmepumpen eine Kontroverse. Brauche es beispielsweise in Kleinanlagen einen Elektroheizeinsatz zum Erreichen hygienisch sicherer Wassertemperaturen, belaste dies wiederum den Energieverbrauch. Zudem verwies Lippuner auf die Notwendigkeit einer sorgfältigen Nutzungsanalyse, die der Planung von Sanitäranlagen vorangestellt werden müsse: «Die letzte Meile der Trinkwasserversorgung bleibt anspruchsvoll. Es braucht mehr Fachwissen, damit die Installationen weiterhin in hoher Qualität ausgeführt und gewartet werden.»

Temperatur eine unter mehreren Faktoren
Irina Nüesch, Leiterin Sektion Trink- und Badwasser beim Amt für Verbraucherschutz des Kantons Aargau, fände es falsch, die sichere Trinkwasserhygiene nur an einem einzigen Kriterium wie der Warmwassertemperatur festzumachen. Es sei eine Kunst und brauche viel Sachverstand sowie ein abgestimmtes Setting aller Komponenten in der Planung und Installation, um die einwandfreie Trinkwasserhygiene zu gewähren. Reto von Euw, Professor an der Hochschule Luzern, Abteilung Technik und Architektur, betrachtet die viel debattierten 55 °C dann als ausreichend, wenn das Warmwasserversorgungskonzept perfekt ausgelegt ist. Das heisst, es muss garantiert sein, dass das Warmwasservolumen mehrmals täglich erneuert wird. «Denn Wasser muss fliessen.»