Editorial 03/2013: Schwerpunktthema: Fernwärme

Peter Warthmann, peter.warthmann@azmedien.ch
Michael Benzing /

Die vorliegende Ausgabe von HK-Gebäudetechnik widmet sich auf den Seiten 36 bis 57 dem Schwerpunktthema «Fernwärme». Fernwärmeversorgungen liefern über ihre Verteilnetze Energie in Gebäude für Raumheizung und Warmwasser, aber auch Prozesswärme für Gewerbe und Industrie – und immer mehr auch Kälte für Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe.

In konventionellenFernwärmenetzen erfolgt der Transport der thermischen Energie in einem wärmegedämmtenRohrsystem, das erdverlegt ist. Mit den üblichen Betriebstemperaturen kann über Wärmetauscherdirekt geheizt oder Warmwasser erzeugt werden.In kombinierten Verbundnetzen wird immer häufigerAbwärme aus verschiedensten Quellen genutztund das Verteilnetz mit relativ tiefen Temperaturenbetrieben. In den angeschlossenen Liegenschaftenarbeiten dann Wärmepumpen und erzeugen diegewünschten Nutztemperaturen. Bei Kühlbedarf wird Wärme ans Verbundsystem abgegeben.Der erste Fernwärme-Artikel ab Seite 36 istder Tagungsbericht des Verbands Fernwärme Schweiz (VFS) zum 12. Fernwärme-Forum vom24. Januar in Biel. Einige Erkenntnisse, die ich ander Tagung aufgeschnappt habe: Bei optimaler Konstellation von Wärme- und Kühlbedarf ineinem Verbundgebiet können Wärme-Kälte-Netzeauch ohne Anschlusspflicht bereits heute wirtschaftlich betrieben werden. Vom künftig stark reduzierten Wärmebedarf wird in Gebieten, die genügend dicht bebaut sind, etwa ein Drittel wirtschaftlichmit Fernwärme abgedeckt werden können. Holz oder Wärmeverbünde sind heute für bestehende ältere Liegenschaften, die bisher für die Wärmeerzeugung Heizöl verwendet haben, die häufigsten Alternativen. Die Zukunft gehört vernetzten Systemen, in die das einzelne Gebäude sowohl als Verbraucher als auch als Produzent von Wärme eingebunden ist. Die Wärmeproduktionaus erneuerbaren Energien ist im Unterschied zur Stromproduktion geografisch stark an ihren Nutzungsort gebunden, was für leitungsgebundene Verbundlösungen eine gute Voraussetzung ist. In der Podiumsdiskussion kam zum Ausdruck, dass für den Erfolg von künftigen Wärmeverbündenklare, stabile Rahmenbedingungen geschaffenwerden müssen, sodass eine genügende Investitionssicherheitfür die verschiedenen Beteiligtengegeben ist. Sehr viel versprechen sich die Fachleuteauch von einer übergeordneten Koordinationfür alle planenden Stellen zu Themen wie öffentliche Bauvorhaben, Wärmebedarfskataster, Abwärmequellen, Raumplanung. Die Planung der Nah- und Fernwärme erfolgt vor allem durch Städte und Gemeinden. Insbesonderein den Städten sind Potenzialabschätzungen undProjektierungen im Gang. Gebietsausscheidungen auf regionaler bzw. kantonaler Ebene sollen dazubeitragen, die potenziellen Gebietskonflikte mitErdgas zu entschärfen, das für die Wärmeversorgungmit der Fernwärme oftmals in Konkurrenzsteht. Gasnetze sollen nicht rückgebaut werden, da sie künftig als Transport- und Speicherinfrastrukturnicht nur für Erdgas, sondern auch für Biogas oder Methan (aus Produktion mit Überschussenergie) von grossem Nutzen sein können. Das Berner Beispiel mit der Energiezentrale Forsthaus, in welcher nebst einer KVA auch ein Holzheizkraftwerkund ein Gaskombikraftwerk Strom und Wärme erzeugen, macht deutlich, dass die Konkurrenten Gas und Fernwärme auch erfolgreich miteinander kombiniert werden können.Als erneuerbare Energiequellen für die Versorgung der für Fernwärme geeigneten Gebiete sind vorhanden: Kehrichtverbrennungsanlagen, Abwärme ausProzesswärme, Kläranlagen, Grund- und Oberflächengewässer, Holzenergie, künftig auch vermehrt Geothermie. Zusätzlich werden für die Verbund-Wärmeerzeugung in den nächsten Jahrzehntenauch noch WKK-Anlagen mit Öl oder Gas betrieben. Und für einen kostenoptimalen Spitzen- und Redundanzlastbetrieb werden auch noch weiterhinfossil befeuerte Heizkessel eingesetzt werden. Ab Seite 42 folgen weitere Fachartikel zu verschiedenenWärmeverbünden und zugehörigen Wärmeerzeugungsanlagen.

Peter Warthmann, Chefredaktor HK-Gebaeudetechnik