Der Beitrag von Tiny Houses zum autarken Wohnen

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Steigende Mietpreise und ein zunehmendes Umweltbewusstsein lassen autarke Wohnkonzepte attraktiver denn je erscheinen. „Tiny Houses“ – sehr kleine, mobile Häuser mit innovativen Einrichtungs- und Versorgungskonzepten – könnten dafür eine wichtige Rolle spielen und Denkanstösse für die Zukunft der Gebäudetechnik von grossen und kleinen Immobilien liefern.

Um ohne Betriebskosten wohnen zu können, braucht es nicht sonderlich viel – lediglich etwas Holz und Stahl aus dem Baumarkt, eine Anhängerkupplung vom Fachhändler, ein Budget von einigen Tausend Schweizer Franken sowie Kreativität und handwerkliches Geschick. Der aus den USA stammende Trend der fahrbaren Tiny Houses beweist im Fernsehen wie in der Realität, dass Autarkie kein Ding der Unmöglichkeit ist. Ganz im Gegenteil: Sie ist selbst auf kleinstem Raum von 10 bis 30 Quadratmetern realisierbar.

Der Einfallsreichtum von spezialisierten Herstellern wie Wohnwagon, den kreativen Köpfen bei der amerikanischen SMUD Tiny House Competition und zahlreichen Privattüftlern dient dabei als Innovationstreiber. Durch effiziente Raumnutzung und smarte Kreislaufsysteme gelingen Wohnkonzepte, mit denen man vollkommen unabhängig von der örtlichen Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung werden kann. Im Folgenden zeigen zwei Beispiele, wie so etwas in der Praxis aussieht:

Beispiel 1: Energieversorgung

Was viele Schweizer Eigenheimbesitzer längst als attraktive Stromquelle entdeckt haben, kommt auch bei Tiny Houses zum Einsatz: die Solarenergie. Auf dem Dach und eventuell an einer Aussenwand montierte Photovoltaikanlagen sammeln tagsüber Strom. Dieser wird in Batterien gespeichert und kann zum Beheizen eines Warmwasserbehälters oder für die Innenbeleuchtung verwendet werden. Praktisch ist, dass man das mobile Haus und damit auch die Solarzellen ganz einfach nach dem Stand der Sonne ausrichten kann. Für Globetrotter wäre es sogar denkbar, der Sonne ganzjährig hinterherzufahren, wobei Stahlrahmen die empfindlichen elektrischen Systeme während der Reise vor Beschädigung schützen.

In der dunklen Jahreszeit weist ein gut durchdachtes Tiny House sogar Elemente von E-Mobilität auf: Ein zusätzlich montiertes Windrad oder ein mit Pellets befeuerbarer 10-kW-Ofen sind der Plan B für eine konstante Energieversorgung. Der Ofen lässt sich auch zum Kochen und Backen verwenden. Beim Kauf des Brennmaterials entstehen dann auch die einzigen Betriebskosten für diesen Mikrokosmos.

Beispiel 2: Wasserversorgung

In diesem Punkt verdienen hundertprozentig autarke Tiny Houses besondere Beachtung, denn mit einer Pflanzenkläranlage (auch bekannt als Grünkläranlage) lässt sich nicht nur Brauchwasser, sondern auch absolut reines Trinkwasser erzeugen. Das funktioniert so: Auf dem Flachdach wird Regenwasser aufgefangen, gefiltert und in einem 150-Liter-Tank zum Duschen und Abwaschen bereitgestellt. Das anfallende Grauwasser wird mittels einer solarbetriebenen Umlaufpumpe zu einem Sumpfpflanzengarten auf dem Dach transportiert. Mikroorganismen in den Wurzeln verwerten Seifenreste und organische Partikel und machen das Wasser auf diese Weise trinkbar, so wie es auch in der Natur passiert.

Ein positiver Nebeneffekt: Die Grünanlage dient im Winter als zusätzliche Wärmedämmung, während sie im Sommer dank der Verdunstung als Klimaanlage fungiert. Um die Produktion von Schwarzwasser, etwa im WC, braucht man sich übrigens keine Gedanken zu machen. Bio-Toiletten funktionieren ganz ohne Kanalanschluss und fliessend Wasser und können den Abraum sogar zu Dünger für die Sumpfpflanzen auf dem Dach oder für einen Kräutergarten im Inneren des Hauses umwandeln.

Interessierte finden unter diesem Link einige Schweizer Tiny-House-Enthusiasten, die den Bau ihrer Mini-Eigenheime online dokumentieren und praktische Tipps geben.

 

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