Im Interview: Marco Andreoli, CEO der CTA AG Klima-Kälte-Wärme

CTA hat bei Wärmepumpen schon früh neue Massstäbe gesetzt

Marco Andreoli: «In den letzten 10 Jahren hat sich im Markt ein neues Thema etabliert: die Energie. Entsprechend entwickelt die CTA heute
Interview: Franz Lenz /

Die Geschichte der CTA AG, Münsingen, ist seit über 30 Jahren eine Geschichte des Vorwärtsstrebens. Das inhabergeführte Familien-KMU mit Bekenntnis zum Arbeitsplatz Schweiz steht mit viel Know-how und Zuverlässigkeit für erneuerbare Energien und energetisch sinnvolle Systemlösungen.

Herr Andreoli: «Die Geschichte der CTA ist nicht zuletzt eine Geschichte der glücklichen Entwicklungen», schreibt Ihr Vater Gregor Andreoli, Firmengründer und VR-Präsident. Glück macht gute Generale, sagte einst Napoleon. Wir aber wissen, Glück allein genügt für den erfolgreichen Aufbau eines Unternehmens nicht. Wie würden Sie die letzten drei Jahrzehnte aus Ihrer Sicht kommentieren?

Marco Andreoli: Die Geschichte der CTA hat damit begonnen, dass wir eine Gesamtlösung für die Klimatisierung der damaligen Computerrechenzentren angeboten haben, die es bis dahin noch nicht gab. Mit dem Eintritt der CTA in diesen Markt bewies mein Vater den richtigen Riecher zum richtigen Zeitpunkt. Die CTA hat sich seit dieser Zeit ständig weiterentwickelt. Stillstand ist Rückschritt. Um auf den heutigen Märkten bestehen zu können, ist sicher nebst Glück, Weitsicht und den richtigen Produkten auch die Kundennähe mitentscheidend. So können zufriedene Kunden sehr viel zur Weiterentwicklung einer Firma beitragen. Nachdem die CTA im Geschäftsbereich Klima, also der Computer-Klimatisierung, Fuss fassen konnte, kamen weitere Bereiche wie Kälte und später auch die Wärme mit den Hauswärmepumpen dazu. Begleitend zum Aufbau der Produktpalette wurden umfassende Serviceleistungen entwickelt. In den letzten 10 Jahren hat sich im Markt ein neues Thema etabliert. Die Energie. Entsprechend entwickelt die CTA heute energieeffiziente Gesamtlösungen in allen vier Geschäftsbereichen.

CTA bekennt sich klar zum Arbeitsplatz Schweiz, beliefert aber auch Partner in Europa. Dies scheint trotz Hochlohnland Schweiz zu funktionieren, an was liegt dies?

Andreoli: Da bei den Klima- und Kälteanlagen sehr oft eine Montage durch die CTA benötigt wird, werden diese Produkte von uns nur in der Schweiz angeboten. Bei den Wärmepumpen verhält es sich ein bisschen anders. Hier müssen die Anlagen nur «in Betrieb» genommen werden. Ausserdem sind wir uns bewusst, dass der Markt der Wärmpumpen nicht nur ein «Schweizerischer Markt» ist. Unser Ziel war es, eine gewisse Grösse in der Produktion zu erreichen, damit wir diese effizient betreiben können. Der Ansatz des Exportes ist es, dass wenn wir auch «nur» 1 % des Marktes in Europa für unsere guten, schweizerischen Qualitätsprodukte gewinnen, wir unsere Produktion verdoppeln können. Wir befinden uns heute bereits in der achten Generation unserer Wärmepumpen. Diese langjährige Erfahrung ist auch einer der Pluspunkte, den wir haben. In Europa werden unsere Produkte in Deutschland, Österreich, Polen und Norwegen eingesetzt. Der Schweizer Qualitätsaspekt ist also auch heute noch gefragt.

Ihre Firma gehört zu den Pionieren der Wärmepumpenentwicklung. Können Sie etwas über diese «Geschichte» erzählen? Ich erinnere mich, dass aufgrund der Ölkrise in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts das Heizsystem Wärmepumpe plötzlich aktuell wurde.

Andreoli: 1995/96 als wir den Einstieg in den Hauswärmepumpenmarkt wagten, setzten wir gerade mit unserer ersten Wärmepumpe neue Massstäbe. So waren wir eine der ersten Anbieterinnen überhaupt, die serienmässig «Scroll-Kompressoren» einsetzte. Hier hatten wir aufgrund unseres Geschäftsbereiches Kälte das Technologie-Knowhow, das sich auch bestens für die Wärmepumpen eignete. So gelang es uns, mit der WRHH-Wärmepumpe den damaligen Markt aufzurütteln. Unsere Wärmepumpe war gegenüber den Konkurrenzprodukten 50 % kleiner, 30 % energieeffizienter und 30 % günstiger. 1997 waren wir ebenfalls eine der ersten Anbieterinnen, die eine Sanierungswärmepumpe mit einer Vorlauftemperatur von 65 °C auf den Markt brachte. Diese kombinierten wir mit dem bis zum heutigen Tag bekannten Optiheat-Design. 2002 haben wir als erste Anbieterin Wärmepumpen mit Edelstahl-Gehäuse verkauft. Im 2008 haben wir dann den hohen Schallansprüchen bei Minergie- Häusern mit einer extrem leisen Wärmepumpe Rechnung getragen. In einem Meter Abstand weist sie, kaum hörbar, «nur» 33 dB (A) auf. Aber nicht nur bei den Hauswärmepumpen, sondern auch in den übrigen Bereichen konnte sich die CTA weiterentwickeln. So bietet die CTA beispielsweise die sogenannten CTAexklusiv-Anlagen an. Diese Anlagen sind Speziallösungen nach Mass in Bezug auf Leistung, Einsatzgrenzen, Wirkungsgrad, Hydraulik usw. Heute zeichnet sich die CTA dadurch aus, dass wir vom Kleinstbereich ab 5 kW bis zu Grossanlagen von 1000 kW eine optimale Produktepalette anbieten können.

CTA Ingenieure wollen in Zukunft noch mehr effiziente und intelligente Gesamtlösungen entwickeln. «Im Einklang mit der Natur» heisst die Zielsetzung. Wie ist dies zu verstehen, ganz weg von fossilen Brennstoffen und was meinen Sie mit Gesamtlösungen?

Andreoli: Hier kommt uns unsere Positionierung zugute. Mit unserer Produktepalette können wir ideale Lösungen im Wärme- wie auch im Klima- und Kältemarkt anbieten. Viele unserer Produkte nutzen z. B. das «Free Cooling», also Heizen-Kühlen; wir können mit unseren Produkten aber auch Lösungen mit natürlichen Kältemitteln anbieten und haben ChemRRV-taugliche Produkte wie z. B. unsere Kaltwassersätze mit HFO (R1234ze). Generell haben wir ein Sortiment, das hohe Leistungszahlen (COPs) ermöglicht und somit viel Energie eingespart werden kann. Gleichzeitig nutzen unsere Produkte auch die Energien aus der Umwelt. Daher unser Slogan.

Mit welchen neuen Produkten für Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser ist kurz- und mittelfristig zu rechnen? Und wie steht es bei Gewerbe- und Industriebauten?

Andreoli: Im Einfamilienhaus haben sich die Wärmepumpen bei Neubauten mit einem Marktanteil von über 70 % aufgrund des Kosten-Nutzenverhältnisses klar durchgesetzt. Oftmals werden hier Lösungen verwendet, die nebst dem Heizbedarf gleichzeitig auch das Trinkwasser erzeugen können. Mittelfristig wird sicher die Kommunikationstechnik an Bedeutung gewinnen und intelligente Lösungen bei grösseren Gebäuden (Gewerbe- und Industriebauten) durch Nutzen von kalt und warm, Abwärme und/oder Kaltwasser-Lösungen zunehmen.

Innovationen bedingen gut qualifiziertes eigenes Personal, aber auch Partner, die den technischen Anforderungen genügen respektive die Produkte verstehen. Aus- und Weiterbildung muss deshalb bei CTA intern und extern einen hohen Stellenwert haben?

Andreoli: Da haben Sie recht, gut qualifiziertes Personal ist sehr wichtig. Wir bilden seit Jahren unsere Kältemonteure selber aus. Mitarbeiterschulungen aber auch Produkteschulungen für unsere
Kunden sind ein wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung.

Sie erklären sich führend in den vier Sparten Klima, Kälte, Wärme und Service. Wie begründen Sie diese Aussage, denn bei ihren Mitbewerbern tönt es ähnlich?

Andreoli: Wie oben bereits erwähnt, hat dies mit der Geschichte der CTA zu tun. Die ständige Weiterentwicklung ist natürlich eine Herausforderung. Als inhabergeführtes schweizerisches KMU
versuchen wir, möglichst kundenorientiert ständig am Ball zu bleiben.

Zurzeit läuft es im Bau- und Baunebengewerbe recht gut. Wie sehen Sie aber die Entwicklung in Zukunft, speziell für die HLK-Branche? Immer wieder im Gespräch ist die tiefe energetische Sanierungsquote in der Schweiz. Wie könnte man diesen Bereich etwas «anschieben»?

Andreoli: Sehr oft werden nur die Investitionen angeschaut, der Nutzen z. B. höherer Komfort, Energieeinsparungen, tiefere Unterhaltskosten sind noch zu wenig im Vordergrund. Ein Ansatz ist z. B. der GEAK (Gebäudeausweis der Kantone), der Auskunft über das Verbesserungspotenzial von Gebäudehülle und Gebäudetechnik geben kann. Oftmals wird auch vergessen, dass der Heizungsersatz auch beim Einkommen bis zu 30 % abgesetzt werden kann. Ich gehe auch davon aus, dass durch die Energiestrategie 2020/50 hier noch einiges in Bewegung gesetzt werden kann.

Marco Andreoli
Seit dem 1. Januar 2005 leitet Marco Andreoli (Jg. 1968) als Vorsitzender der Geschäftsleitung (CEO) die CTA AG Klima- Kälte-Wärme mit Hauptsitz in Münsingen BE, einer Niederlassung in Zürich sowie Geschäftsstellen in Lausanne, Fribourg, Solothurn, Basel, Kriens, Uzwil und Buchs. Die Firma CTA feierte 2011 ihr 30-jähriges Bestehen. Marco Andreoli ist seit über 20 Jahren in der Firma seines Vaters tätig. Zur Geschäftsleitung gehören ausserdem Beat Rappo (Verkauf), Urs Münger (Technik) und Andreas Baer (Dienstleistungen).
Angefangen in der Service- und Dispositionsabteilung, hat Marco Andreoli danach kontinuierlich den Bereich der Wärmepumpen auf- und weiterausgebaut. Seine Ausbildung als Betriebsökonom HWV/FH ermöglicht es ihm, in verschiedenster Hinsicht betriebliche Zusammenhänge optimal zu analysieren und zu optimieren.
Seit 2001 ist er Mitglied der Geschäftsleitung und im Verwaltungsrat. Weiter vertritt er als CEO eines Produktionsunternehmens in verschiedenen Verbänden (u. a. FWS) die Interessen der Hersteller.
Privat widmet er sich gerne seiner Familie (Frau, Sohn 14-jährig und Tochter 9-jährig). Zum Ausgleich fährt er gerne Velo und Ski und geniesst, wenn die Zeit reicht, Jazzmusik.

www.cta.ch