Seewasser dient als Wärmequelle und Kühlbecken für das Bürgenstock-Resort

Bürgenstock-Resort – Eröffnung im September

Letzte Arbeiten am Fünfsternhotel Bürgenstock. Der gläserne Ballsaal über dem See ist etwas für Schwindelfreie.
Die Energiezentrale ist bestückt mit 2 Wärmepumpen (mit einer Leistung von je 560 kW) mit Seewasser als Wärmequelle. Zusätzlich dienen 2 Flüssiggaskessel zur Spitzenabdeckung.
Einer der Knotenpunkte im Arealnetz der Energieverteilung im Resort.
Hier im Bild die neue Seewasserleitung während der Montage.
Quelle: Siemens Schweiz AG, Bearbeitung Manuel Fischer /

Das Luxusresort auf dem Bürgenstock oberhalb des Vierwaldstättersees kann nicht wie geplant heute Montag eröffnet werden. Die luxuriöse Anlage wird dank Wärmepumpentechnik mit Wärmeenergie aus dem See versorgt. Das Seewasser dient zugleich der Kühlung des Resorts.

Der 28. August, das bisher kommunizierte offizielle Eröffnungsdatum des Bürgenstock-Resorts, rückt immer näher. Offenbar ist die Anlage hoch über dem Vierwaldstättersee aber teilweise immer noch mehr Baustelle als Hotel. Die Eröffnung gewisser Teile der Anlage wurde jedenfalls auf den 14. September verschoben.
Da einige Räumlichkeiten des 5-Stern-Hotels Bürgenstock sowie das Restaurant Spices noch nicht betriebsbereit seien, habe man sich entschieden, deren Eröffnung zu verschieben, schreibt das Bürgenstock-Resort in einer Medienmitteilung. Einerseits soll so den Arbeitern die nötige Zeit gegeben werden, um in Ruhe die letzten baulichen Massnahmen zu tätigen. Andererseits sollen die zusätzlichen Tage auch genutzt werden, um die Mitarbeiter optimal zu schulen und die verschiedenen Betriebsabläufe zu trainieren.

Von 1873 bis heute
Nach dem Bau des ersten Hotels im Jahr 1873 und in den darauf folgenden Jahrzehnten entwickelte sich auf dem Bürgenstock ein erfolgreiches Zentrum für Gastronomie und Tourismus. Während der Blütezeit des Resorts nach dem 2. Weltkrieg entdeckte die Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft das Bürgenstock Resort für sich.
Um den Jahrtausendwechsel änderten die Besitzverhältnisse mehrfach, bis 2008 die Katara Hospitality – eine Tochtergesellschaft des Staatsfonds Qatar Investment Authority – die Hotels und zahlreiche weitere Gebäude übernahm. Die neuen Besitzer haben rund 550 Millionen Franken investiert. Damit realisiert die Katara Hospitality ein autofreies Resort mit vier Hotels mit drei bis fünf Sternen, insgesamt 800 Betten, 68 Residence-Suiten und einem 10 000 m² grossen Alpine Spa. Die Räume des Konferenzzentrums bieten auf 2’200 m² Platz für mehr als 800 Gäste, dazu gehören 31 Sitzungszimmer und ein Ballsaal für 500 Personen. Zum Resort gehören auch zwei Tennishallen, die zu Eventhallen für je 500 Besucher umfunktioniert werden können. Daneben werden zwölf Restaurants und Bars, ein 9-Loch-Golfcourt, eine Eisbahn, ein Kino und diverse Shoppingmöglichkeiten Spaziergänger, Konferenzbesucher und auswärtige Gäste zum Verweilen einladen.

Seewasser – die primäre Wärmequelle
Damit die Energieversorgung mit der Vergrösserung und Modernisierung der Anlage Schritt halten kann, wurde als Herzstück des Resorts eine neue Energiezentrale gebaut. Diese verknüpft fast 130-jährige Tradition mit neuester Technik: Wie schon 1888 wird das Wasser des Vierwaldstättersees vor Kehrsiten gefasst und auf den Bürgenstock gepumpt. Damals diente dies der Trinkwasserversorgung, heute ist das Seewasser Energiequelle für das Resort. Das Prinzip ist einfach: Wärmepumpen gewinnen die Energie aus dem Seewasser, die zum Heizen der Gebäude genutzt wird.
Neue, leistungsstarke Pumpen befördern 78 Liter Wasser pro Sekunde auf den Berg, der Höhenunterschied beträgt 500 Meter. Auf dem Bürgenstock dient das alte Frischwasserreservoir als «Speichersee», von wo aus das Wasser weiter in die Energiezentrale geleitet wird. Wärmepumpen mit 1,3 MW Leistungsspitze erwärmen das Wasser im System – je nach Aussentemperatur – auf 45 bis 55 °C. Dieses wird auf die verschiedenen Bauten verteilt und dort auf zwei Arten genutzt: einerseits direkt für die Heizungen, andererseits ist es Energiequelle für die Wärmepumpen der Gebäude, die das Trinkwarmwasser auf die erforderliche Mindesttemperatur von 65 °C erhitzen.

Kühlen, turbinieren,Prozesse visualisieren
Für die Kühlung des Gebäudes wird das Seewasser direkt genutzt. Denn 37 Meter unter der Wasseroberfläche liegt die Temperatur während des ganzen Jahres bei konstanten 5 bis 7 °C. So deckt das Seewasser 70 bis 90 % des Wärmebedarfs und übernimmt die ganze Kühlung. Das genutzte Wasser wird wiederum in den See geleitet. Dabei fliesst es durch eine Turbine, die einen Teil der Energie zurückgewinnt, die zum Hochpumpen des Wassers verwendet worden ist.
Für das Gebäudemanagement des weitläufigen Hotelkomplexes kamen zahlreiche Produkte von Siemens zum Einsatz. Primär zu erwähnen ist das Gebäudeleitsystem Desigo CC von Siemens, welches Daten des ganzen Resorts erfasst und visualisiert.