Vorbildlicher Kanton Bern: Minergie-Rating und Minergie-Preis für Gemeinden

20 Jahre Minergie

Eine schlanke Gebäudetechnik ist das Merkmal aller Minergie-Bauten.
Reto Miloni /

«Minergie ist innovative Schweiz mit cleveren Lösungen», lobte Bundesrat Johann Schneider-Ammann den Verein anlässlich der Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen. Regierungsrat Heinz Tännler trat nach acht Jahren als Präsident ab und Marc Mächler, St. Gallen, wurde als sein Nachfolger gewählt.

Mittlerweile erfreuen sich schweizweit über eine Million Menschen in über 46 000 MinergieObjekten auf über 52 Millionen Quadratmetern Energiebezugsfläche am sprichwörtlichen MinergieKomfort, an Energieeffizienz und Werterhalt. Dies bei Neubauten und bei Erneuerungen.

Minergie feierte in der letzten Juniwoche im denkwürdigen Hotel Grimsel Hospiz das 20-Jahr-Jubiläum. In den vergangenen zwei Jahrzehnten waren diverse kantonale Bau-, Energie-, Umwelt- oder Finanzdirektoren Präsidenten des Minergie-Vereins, so während acht Jahren auch Peter C. Beyeler. Nach der Ära Beyeler ging im Aargau der Schwung beim Bauen nach Minergie verloren: Seit 2011 ist die nach Minergie gebaute Fläche im Aargau von 625 000 m2 pro Jahr auf rund die Hälfte abgesackt. Dies hat nicht nur mit der Schmälerung von Fördermitteln zu tun, mit dem zeitweiligen Absinken des Erdölpreises oder mit der wachsenden Komplexität beim Zertifizierungsprozess. Vielmehr ist dies auch dem mangelnden Willen öffentlich-rechtlicher Trägerschaften und Bauherren und ihrer Architekten zuzuschreiben, welche oft tausendundeine Ausreden erfinden, um nicht nach Minergie, MinergieP oder Minergie-Eco zu bauen.

Minergie-Standard wird eingefordert

Ganz anders ist dies z. B. im Kanton Bern, wo bei Modernisierungen von kantonalen Bauten stets der Minergie-Standard und bei Neubauten durchgehend der Minergie-P-Eco angestrebt wird. Dies unabhängig davon, ob es sich um ein hochtechnisiertes oder einfaches Universitätsgebäude, eine Schule, eine Polizeistation, ein Wohnheim, ein Spital oder Laborgebäude handelt.

Dies hat der Kanton Bern nicht nur mit Förderbeiträgen und Schulungen erreicht, sondern vor allem auch mit dem Instrument des Minergie-Ratings und durch einen Minergie-Preis für Gemeinden. Damit vermittelt der Kanton über Gemeindegrenzen hinweg Wissen um das energieeffiziente Bauen und fördert den Erfahrungsaustausch unter den Gemeinden. Publikumswirksame Wettbewerbe motivieren Gemeinden, Architekten, Fachplaner und Gewerbetreibende, ihren Handlungsspielraum beim ressourcenschonenden Bauen und beim Einsatz «schlanker» Haustechnik wirkungsvoll zu nutzen.

Minderkosten bei Heizungen

Mittlerweile wird laut Alt-Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer im Kanton Bern kein einziges Altersheim unter Minergie-Standard mehr gebaut – die insgesamt über 60 Millionen Franken an ausbezahlten Fördermitteln werden durch Mehreinnahmen bei Steuern mehrfach wieder reingeholt – von den Minderkosten bei Heizungen gar nicht zu reden.

Entsprechende Instrumente wären anderen Kantonen zur Nachahmung empfohlen.

http://www.minergie.ch/