Individualverkehr könnte rasch klimafreundlicher werden

1 Mio. PW mit erneuerbarem Gas als Treibstoff

Christian Bach, Abteilungsleiter Fahrzeugantriebssysteme bei der Empa, stellte die einzuprägenden Ergebnisse der Empa-Studie zur nachhaltigen Mobilität vor.
Wie das Schaubild zeigt, ist der Audi A4 Avant ebenfalls als CNG-Fahrzeug erhältlich. Das Modell wird in der neuen CNG-Flotte von Coca-Cola Schweiz ebenfalls benutzt werden.
TV-Moderatorin Daniela Lager leitete durch das Symposium für nachhaltige Mobilität, welches von 160 Interessierten besucht wurde.
Die Infografik illustriert modellhaft die Umwandlung von Elektrizität und Wasser zu Wasserstoff und in einem zweiten Schritt zu Methan (Hauptbestandteil von Erdgas).
Quelle: Stiftung Umweltarena /

Damit die Schweiz ihre CO2-Ziele erreicht, müssen auch die Emissionen des motorisierten Individualverkehrs rasch und deutlich reduziert werden. Am «Symposium für nachhaltige Mobilität» in der Umwelt Arena in Spreitenbach rückte mit Power-to-Gas eine Technologie in den Fokus, deren Potenzial kolossal unterschätzt wird.

Rund 110'000 oder 2,5 % aller Personenwagen in der Schweiz fahren heute mit alternativen Antrieben – darunter 18'000 Elektro- und 11'000 CNG-Fahrzeuge (Erdgas und Biogas). Dabei kommt der Elektromobilität eine wichtige Rolle auf dem Weg in eine ökologische Zukunft zu. Bis 2030 strebt das Bundesamt für Energie laut seiner «Programmstrategie EnergieSchweiz 2021 bis 2030» eine Erhöhung des Anteils Elektrofahrzeuge (inkl. Plug-in-Hybrid) bei den Neuwagen auf 38 % an. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass in elf Jahren noch immer 62 % der Neuwagen von Verbrennungsmotoren angetrieben werden. Das heisst: Auch solche Kraftfahrzeuge müssen ihren Beitrag leisten, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Studie der Empa und des PSI
Mit Power-to-Gas (PtG) steht eine Technologie zur Verfügung, die massgeblich zur Senkung der CO2-Emissionen im motorisierten Individualverkehr beitragen kann. In der Schweiz besteht das Potenzial, in Zukunft bis zu einer Mio. Personenwagen mit synthetisch erzeugtem Methan zu betreiben. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) und des Paul Scherrer Instituts (PSI), die im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (Bafu) erstellt wurde. Methan ist als CNG (Compressed Natural Gas / komprimiertes Erdgas) ein bewährter, sicherer und sauberer Kraftstoff für Verbrennungsmotoren.

Erneuerbarer Kraftstoff für Fahrzeuge

Christian Bach, Abteilungsleiter Fahrzeugantriebssysteme bei der Empa und Mitautor der Studie, präsentierte die Resultate vor rund 160 Teilnehmenden am «Symposium für nachhaltige Mobilität» in der Umwelt Arena Schweiz in Spreitenbach AG. «Die CO2-Emissionen dieser Million Autos würden gegenüber Benzinfahrzeugen um 70 bis 90 % reduziert», stellte Christian Bach fest. Denn beim Power-to-Gas-Verfahren wird der Atmosphäre zur Herstellung von Methan gleich viel CO2 entzogen, wie bei der Verbrennung wieder freigesetzt wird. Ein CNG-Fahrzeug, das mit erneuerbarem Kraftstoff betrieben wird, befindet sich in seiner Umweltbilanz auf Augenhöhe mit einem Elektrofahrzeug, das mit erneuerbarem Strom geladen wird. Unter diesen Voraussetzungen kam Christian Bach zum Schluss, dass auf kurzen Strecken das Elektrofahrzeug die ideale Lösung ist, auf langen Strecken hingegen Fahrzeuge mit synthetischen Kraftstoffen wie CNG und Bio-Diesel.

Beispiel aus der Praxis
Mehrere Referenten betonten die Bedeutung der Photovoltaik als Baustein der Power-to-Gas-(PtG)-Technologieansatzes. PtG aus erneuerbarem Strom reduziere nicht nur die Emissionen des Treibhausgases CO2, sondern auch die Abhängigkeit von Energieimporten aus dem Ausland.
Walter Schmid, Gründer und Verwaltungsratspräsident der Umweltarena Schweiz, wies auch auf das grosse Potenzial von Biogas aus organischen Abfällen hin: «Alleine schon mit der Verwertung aller organischen Abfälle in der Schweiz könnten zehn Prozent der Personenwagen mit Biogas versorgt werden.»
Coca-Cola Schweiz setzt schon heute auf Erdgas und Biogas als Treibstoff. Der Getränkehersteller nimmt bis November die grösste CNG-Firmenflotte der Schweiz in Betrieb. Insgesamt 180 Personenwagen der Marken Audi, Skoda und VW Nutzfahrzeuge werden Mitarbeitenden sämtlicher Jobstufen zur Verfügung gestellt. Die ersten 70 Autos wird Coca-Cola Ende August in Betrieb nehmen, weitere 110 Fahrzeuge im November dieses Jahres.