Arthur Schopenhauer (1788–1860) versuchte zu beweisen, dass der Mensch in der schlechtesten aller Welten lebt, in der Egoismus, Bosheit und Gier regieren. Nicht zuletzt deshalb gilt er als der «grösste Philosoph des Pessimismus.» Würde er heute leben, würde er sich, zumindest oberflächlich gesehen, bestätigt fühlen, denn die Begriffe Egoismus und Gier gehören zu den meistzitierten in den Medien. Diese und ein übertriebener Optimismus waren der Nährboden für die momentane Finanzkrise.
Angelsächsischer Optimismus und Wagemut wurden während Jahrzehnten als die einzige treibende Kraft für Fortschritt und Wohlstand angepriesen, wer nicht ganz blauäugig mitmachen wollte, galt als Schwarzmaler. Aber Forschungen von Psychologen wollen belegen, dass Pessimisten die Realität klarer sehen und schneller Alternativen entwickeln. Den Deutschen und uns Deutschschweizern wird oft vorgeworfen, altmodischem Sicherheitsdenken anzuhängen und so Chancen zu verpassen. Immerhin standen beide Länder trotz «Optimismusmängel» in den vergangenen Jahrzehnten ganz gut da.
Es ist wirklich eine böse Ironie, dass gerade diejenigen Manager, welche sich vom angelsächsischen Wagemut und Optimismus (Amerikas Glauben an die unbegrenzten Möglichkeiten) mitreissen liessen und ihre Banken mit Spielcasinos verwechselten, den Wohlstand ihrer jeweiligen Nation in grosse Gefahr gebracht haben.
Gesunder Optimismus prägte die letzten 75 Jahre der Preisig AG in Zürich (siehe Porträt). In 75 Jahren entwickelte sich der Betrieb vom Einmannunternehmen zur erfolgreichen Firma mit rund 230 Angestellten. Das Wachstum entstand nicht durch Illusionen, sondern durch den Aufbau eines guten Namens als kompetenter und zuverlässiger Handwerksbetrieb. Die Firma Preisig AG gilt auch als begehrte Arbeitgeberin, nicht wenige Angestellte bleiben dem Unternehmen ein Arbeitsleben lang treu. Herr Schopenhauer hat also nicht immer recht.
Herzlich
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Franz Lenz, Chefredaktor





